Leckeres von der Streuobstwiese

Streuobstwiesen sind nicht nur im Frühjahr, wenn sie in voller Blüte stehen, eine Augenweide – sondern auch im Herbst, wenn Äpfel, Birnen oder Quitten zwischen dem Laub rot oder golden leuchten und zu vielerlei Köstlichkeiten in der Herbstküche einladen.

Vielfalt auf dem Teller

So manchem lacht beim Anblick das Herz und er denkt sich: jetzt ein Stück Apfelkuchen. Und recht hat er, denn mit verschiedenen alten Sorten wie Boskoop, Cox oder Renette schmeckt der hausgemachte Kuchen nochmal so gut. Und auch mit Birnen und Quitten lässt sich in der Herbstküche zaubern. Neben Kuchen und fruchtigen Pies locken Gemüsebeilagen mit Obst. Wie wäre es mit einem Quitten-Zwiebelgemüse zu Kartoffelstampf oder mit gestuften Birnen?

Gestufte Birnen und Pöttschesäpel

Gestufte (also gedünstete und mit etwas Stärke und Butter gebundene) feingewürzte Birnen waren im Rheinland früher eine beliebte Beilage zu Schweinebraten oder auch Wildfleisch, wenn man keine Bratäpfel oder kein anderes Gemüse hatte. Eine bekannte Bratkartoffel-Variante aus dem Bergischen Land sind „Pöttschesäpel“. Rohe Kartoffelwürfel werden dafür in der Pfanne mit Speck knusprig gebraten. Dann gibt man frische, geschälte Birnen mit Kerngehäuse und Stiel dazu. Wenn die Birnen karamellisiert sind, ist das Gericht fertig. Man serviert dazu gebratene Blutwurst.

Streuobst für den Vorrat verarbeiten

Wenn die Früchte von der Streuobstwiese zu klein und uneben zum Schälen sind, dann empfiehlt es sich, ein Mus für den Vorrat daraus zu kochen. Die Früchte kann man hierfür mit Schale verarbeiten und nach dem Kochen durch ein Sieb streichen. In Schraubgläser eingefüllt und im Einkochtopf oder in einem Wasserbad für eine gute halbe Stunde konstant auf 90 Grad Celsius erhitzt, hat man im Handumdrehen einen kleinen Vorrat für den Winter angelegt. Auch Obstschnitze, die man bei 75 Grad Celsius im Backofen oder einem Dörrautomaten trocknet, eignen sich zum Aufheben. Sie laden nicht nur zum Naschen ein, sondern süßen auch Müsli und Porridge oder sind eine leckere Zutat, um Gulasch- und Pfannengerichte süß-säuerlich abzuschmecken.

Hier sind einige Rezept-Ideen, die natürlich auch mit gekauftem Obst umgesetzt werden können. Denn nicht jeder hat das Glück eine Streuobstwiese in der Nähe zu haben. Auf dem Portal www.mundraub.org erfährt man im Übrigen, wo man Wild- und Streuobst auf öffentlichen Plätzen oder mit Einverständnis der Eigentümer ernten kann.

Streuobstwiesen-Apfelkuchen

Zutaten für 1 Spring- oder Quicheform

275 g Dinkelmehl

2 TL Backpulver

150 g weiche Butter

100 g flüssiger Honig

1 Ei

etwas Vanillezucker und Zimt

4 – 6 Streuobstäpfel

Fett und Grießmehl zum Ausstreuen der Kuchenform

Zubereitung

Die Zutaten in eine Schüssel geben und einen Knetteig bereiten. Diesen kurz ruhen lassen und dann in zwei Stücke teilen. Diese in Größe der Backform zu einem Kreis ausrollen. Die eine Hälfte in die gefettete und ausgestreute Springform geben. Dann die Äpfel schälen, vierteln, entkernen und auf Stückchen schneiden. Mit Vanillezucker und Zimt mischen und gleichmäßig auf dem Teig in der Springform verteilen. Die andere Hälfte des Teigs aufsetzen und andrücken.

Bei 175 Grad Celsius Ober-Unterhitze eine gute Stunde backen.

Getrocknete Apfelringe

Für 100 g getrocknete Apfelringe benötigt man circa 1 kg Frischobst.

Zubereitung

Die Äpfel waschen, nach Gusto auch schälen. Mit einem Apfelausstecher das Kerngehäuse entfernen und die Äpfel in 4-5 mm dicke Ringe schneiden. Die Apfelringe mit etwas Zitronensaft bestreichen, damit sie nicht braun werden. Auf mit Backpapier ausgelegte Bleche geben und bei 75 Grad Celsius Umluft im Backofen circa 2 Stunden trocknen lassen. In einer Dose oder einem Glas aufbewahren.

Tipp

Besonders rotschalige Apfelringe machen sich – auf eine Wurstschnur aufgereiht in der Vorweihnachtszeit gut als Dekoration.

Gestufte Birnen

Zutaten für 4 Personen 

3-4 festkochende Streuobstbirnen

1 Zimtstange oder 2 Nelken

Saft von 1 Zitrone oder ein Schuss Essig

250 ml Wasser

Zucker

1 Stich Butter

Stärkemehl zum Binden

Zubereitung

Die Birnen schälen und vierteln. In etwas Zuckerwasser mit der Zimtstange oder den Nelken und einem Schuss Zitrone oder Essig weichkochen. Mit etwas angerührtem Stärkemehl und Butter abbinden. Als Beilage zu Schweinebraten oder Wildfleisch servieren.

Streuobstapfel- oder birnenmus

Zutaten für 4 Personen

1 kg Streuobst

125 ml Wasser

Saft von ½ Zitrone

Zucker, Vanillezucker und Zimt nach Geschmack

bei süßen Früchten wie Birnen noch weiteren Zitronensaft zum Abschmecken

Zubereitung

Die Äpfel oder Birnen waschen, vierteln und entkernen. In einem großen Topf mit Wasser und Zitronensaft weichkochen lassen. Durch eine flotte Lotte geben. Mit Vanillezucker, Zimt, Zucker und Zitronensaft abschmecken.

Einkochen für den Vorrat

Größere Mengen für den Vorrat in Schraubgläser abfüllen, verschließen und in einem Wasserbad oder Einkochtopf für 20-30 Minuten auf 90 Grad erhitzen.

Gut zu wissen

Wer kein Streuobst hat, kann auch säuerliche Apfelsorten wie Boskoop, Rubinette oder Elstar vom Erzeuger gut für ein Apfelmus nehmen. Bei den Birnen eignen sich späte, nicht so süße Sorten wie die Vereinsdechantsbirne (im Bild bei Rezept „Gestufte Birnen“) oder die Gute Graue.

Quittenmus

Für Quittenmus die Früchte zunächst mit einer Bürste oder einem Lappen gut abreiben, damit ihr grauer Flaum verschwindet. Dann die Früchte wie Pellkartoffeln kochen. Das erspart die Schnitzerei. Denn ihr Fruchtfleisch ist sehr hart. Wenn die Früchte gar sind, abkühlen lassen und halbieren, das Kerngehäuse entfernen und das Fruchtfleisch samt Schale mithilfe eines Pürierstabs oder Mixers zerkleinern. Nach Geschmack mit Zucker und Zitronensaft verfeinern und in Schraubgläser füllen. Diese in einem Wasserbad oder Einkochtopf für ca. 20-30 Minuten auf 90 Grad Celsius erhitzen.

Fremdenverkehr und Sommerfrische im Rhein-Sieg-Kreis

Jahrbuch 2022 widmet sich dem Thema Tourismus und Ausflüge

Pünktlich zum Beginn der Herbstferien ist das neue Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises erschienen. Der Sonnenschirm auf dem Titelbild deutet es bereits an: bunt ist das Angebot an Ausflügen, Themenrouten oder Sehenswürdigkeiten, denen sich die Autoren des Bandes in Einzelbeiträgen widmen – ob Siebengebirge mit Drachenfels, Römerspuren zwischen Voreifel und Ville, römische Denkmäler und traumhafte Burgen entlang der Apfelroute oder auf den Spuren von Dichtern und Fernsehstars …

Adendorf steht in der langen Tradition der rheinischen Steinzeugproduktion, die um 1200 begann. Wenige Familienbetriebe beherrschten das Handwerk und wanderten von Frechen über Siegburg in den Westerwald. Von dort aus kamen sie Mitte des 18. Jahrhunderts nach Adendorf.

Ein Themenwanderweg rund um die Adendorfer Töpfergeschichte

Da ich gebürtig aus dem Töpferort Wachtberg-Adendorf stamme, bin ich für das Jahrbuch 2022 auf einem Themen-Rundweg den ansässigen Kannebäckern gefolgt. Ein Töpferpfad, der die Ansiedlung des Handwerks ab 1743 in Adendorf, aber auch den Weg vom Ton zum Topf beschreibt, begeistert nicht nur mit besonderen Panoramen (wie hier im Bild die Tongrube) – sondern gibt auch Einblicke in die praktische Arbeit der letzten Töpfer.

Deren Türen stehen nach Vereinbarung offen mit Werkstattbesichtigungen und Töpferkursen. Im Rahmen des Beitrags durfte ich den Töpfermeister Thomas Hansen bei dem uralten Salzbrandverfahren mit der Kamera begleiten. Es gibt ferner Einblicke in ein altes Fotoalbum der Töpferfamilie Günther, die über eine 160-jährige Familientradition verfügt und noch einen historischen Kasseler Langofen von 1912 in ihrem Hof ausgestellt hat. Außerdem hat Töpfermeister Peter Hansen über seine Spezialisierung mit Leuchtkugeln im Keramikdesign und den stetigen Wandel des Handwerks berichtet.

Einst gab es nahezu 50 familiengeführte Töpferwerkstätten in Adendorf. Vor den Häusern der ehemaligen Betriebe macht heute eine in den Gehweg eingelassene rote Tonfliese mit eingeritztem Krug (dem Symbol der Töpferzunft) aufmerksam.

Die ehemalige Ortsvorsteherin und Wachtberger Vize-Bürgermeisterin Ursula Perkams und die Kunsthistorikerin Dr. Margit Euler hatten den Themenwanderweg 2009 zusammen mit den letzten Töpfern eröffnet und gemeinsam mit der Aktionsgemeinschaft für den Schutz der Landschaft in Wachtberg und Umgebung e.V. und der Rhein-Voreifel-Touristik angelegt.

Auf einem drei Kilometer langen Rundweg mit Infotafeln ist die Geschichte der Adendorfer Töpfer anschaulich umgesetzt.

Unter dem Dach der Töpferei Thomas Hansen findet sich für Ausflügler, die eine Führung gebucht haben, neben der Werkstatt und ihren einzelnen Fertigungsstationen im Übrigen ein Töpfermuseum (private Sammlung) mit 300 Gegenstände von allen Adendorfer Töpfern aus den vergangenen 200 Jahren beherbergt.

Naherholung und landschaftliche Schönheiten

„Die aktuelle Ausgabe macht deutlich, warum sich der Rhein-Sieg-Kreis so gut eignet, wenn es darum geht, Naherholung und landschaftliche Schönheiten zu erleben und besondere Orte kennenzulernen. Ebenso legt sie aber auch dar, dass diese Region mit ihren umfangreichen Möglichkeiten und Sehenswürdigkeiten ein gern gebuchtes Ziel für Reisende von auswärts ist. Überdies gewährt sie einen hervorragenden Einblick in vielfältige Aspekte des Fremdenverkehrs von damals und heute“, heißt es in der Verlagsankündigung.

Das Buch ist Anfang Oktober 2021 in der edition Blattwelt erschienen und kostet 13,50 Euro. Es ist direkt beim Verlag oder auch im Buchhandel erhältlich.

Rotkohl – Küchentraum in Violett

Je nach ph-Wert des Bodens ist er mal blauer, mal violetter. Ob er nun Blaukraut oder Rotkohl heißt, ist eigentlich egal. Denn seine kräftige Farbe und sein Geschmack machen ihn zum Liebling vieler Herbst- und Wintergerichte. Jetzt ist die neue Ernte da!

Der Milde unter den Kohlköpfen

Anders als die meisten seiner Brassica-Verwandten hat der Rotkohl keinen typischen Kohlgeschmack, sondern ein eher mild-süßliches Aroma. Er eignet sich daher nicht nur für Gemüsekreationen, sondern auch bestens für Salate – zum Beispiel in Kombination mit Früchten wie Äpfeln, Birnen, Trauben, Backpflaumen oder Nüssen. Als Rotkohl-Suppe, Krautwickel, in einer Tarte oder auch als Farbtupfer in Gemüsepfannen hat er in der modernen Küche den Aufstieg von der traditionellen Beilage zum Hauptgericht geschafft. Und sogar als Smoothie und Superfood macht er neuerdings von sich reden!

Heimisches Superfood

Rotkohl ist von seiner Statur etwas kleiner und fester als Weißkohl, steht seinem großen Bruder aber ernährungsphysiologisch betrachtet in nichts nach. Mit 23 Kilokalorien pro 100 Gramm zählt Rotkohl zu den kalorienarmen Gemüsen, die auf natürliche Art und Weise sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe für einen gesunden Darm liefern. Rotkohl ist zudem sehr vitamin- und mineralstoffreich. Er enthält vor allem die Vitamine C und E, ferner die Vitamine B 6, B 9 (Folsäure) und K, darüber hinaus Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen und Senföle. Sowohl durch seine blauen Pflanzenfarbstoffe (Anthocyane), die antioxidativ wirken und die Pflanze unter anderem vor zu viel UV-Licht schützen, als auch durch die scharf schmeckenden Senföle, mit der die Pflanze Fressfeinde in der Natur abwehrt, besitzt der Kohl entzündungshemmende und das immunstärkende Eigenschaften. Gerade in der kalten Jahreszeit, wenn verhältnismäßig wenig heimisches Obst und Gemüse verfügbar ist, stellt Rotkohl das Superfood schlechthin.

Fermentiert für den Vorrat

Auch fermentiert schmeckt Rotkohlsalat prima. Man vermengt den feingeriebenen Kohl mit 1,5 TL Salz und knetet ihn – bis Saft austritt. Eine fein geriebene Zwiebel, einen geriebenen Apfel und Gewürze zugeben und das Ganze in saubere Gläser füllen. Man gießt mit dem Rotkohlsaft oder mit etwas Wasser bis einen Fingerbreit unter den Glasansatz auf und lässt den Salat für drei Tage bei Zimmertemperatur gären. Im Anschluss Gläser verschließen und bis zum Verzehr im Kühlschrank aufheben.

Rezepte

Rotkohlsalat oder -gemüse im Glas

Zutaten für 4 Schraubgläser à 400 ml

1 kg Rotkohl

1-2 gestrichene TL Salz

300 ml Apfelsaft

100 ml milder Apfelessig

20-40 g Zucker oder Honig

Pfeffer oder Piment und Nelken nach Geschmack

Zubereitung

Den Rotkohl putzen und vierteln, den Strunk entfernen und die Viertel in feine Streifen schneiden oder auf einer Reibe raspeln.

Mit dem Salz mischen und die Streifen (ähnlich wie bei der Sauerkrautbereitung) in ein Gefäß einstampfen bis der Kohlsaft austritt. Die Masse mit einem Teller und einem Gewicht beschweren und über Nacht ruhen lassen.

Am nächsten Tag die Kohlmasse absieben und den Saft auffangen.  

Den Apfelsaft und die Gewürze mit dem Zucker oder Honig verrühren, mit dem Kohlsaft abschmecken und aufkochen lassen. Den Kohl zugeben und alles einmal gut aufkochen lassen. Dann kochend heiß gleichmäßig mit dem Sud in die vorbereiteten Gläser füllen und fest verschließen.

Die Gläser kühl und dunkel lagern. Sie halten sich etwa 12 Monate.

Apfelrotkohlsalat – ein Rezept aus dem Band „Saarländische Küchenklassiker – Kerschdscher, Schweinskäs und Zwiwweltunk“ (Wartberg Verlag)

Zutaten für 4 Personen

½ Rotkohl

2 süß-säuerlich schmeckende Äpfel (z.B. Elstar oder Rubinette)

6 EL Rapsöl

2 EL Kräuter- oder Weißweinessig

Salz, Pfeffer, Zucker

Gehackte Zwiebel oder Lauchzwiebeln nach Geschmack

Zubereitung

Den halben Kohlkopf putzen. Dafür äußere Blätter sowie harte Rippen entfernen, vierteln und Strunk rausschneiden. Den Kohl mit einem großen Gemüsemesser auf etwa fünf Millimeter breite Streifen schneiden. Mit einem Kartoffelstampfer die Kohlstreifen etwas anstampfen, bis Saft austritt. Der Kohl wird so weicher und bekömmlicher. Aus Rapsöl, Essig, Salz, Pfeffer und Zucker eine Marinade rühren. Nach Geschmack noch eine gehackte Zwiebel oder Lauchzwiebel dazugeben. Die Marinade über den Kohl gießen und gut durchmengen. Die Äpfel schälen, reiben oder auf kleine Stückchen schneiden und unterheben. Vor dem Servieren den Salat etwas durchziehen lassen.

Tipp

Für ein frisch gekochtes Apfelrotkohl-Gemüse die doppelte Menge der Zutaten einfach in etwas Schmalz andünsten und unter Zugabe von Wasser oder Apfelsaft garen. Mit etwas Speisestärke oder Apfelkompott binden. Als Gewürze passen gut Nelken, Lorbeer, Zimt und Wacholderbeeren.

Eine Region im Ausnahmezustand: Flamersheim an der Steinbachtalsperre – Protokoll einer Evakuierung

Oder: Die Nacht, in der alles gleichzeitig zusammenbrach und unsere Technikgläubigkeit erschüttert wurde

Aufgezeichnet von Ira Schneider, Betroffene

Aus gegebenen Anlass berichte ich in diesem Monats-Beitrag bewusst über ein aktuelles Erlebnis. Viele haben in den Medien die Flutwasser-Katastrophe verfolgt, die Mitte Juli 2021 Teile von NRW und Rheinland-Pfalz in einen Ausnahmezustand versetzt hat. Das „Jahrhundert-Ereignis“ hat viele Menschen in der Region hart getroffen und die Bevölkerung tief erschüttert. Vor allem das Ahrtal und Teile der Eifel sind durch das Hochwasser-Unglück in einem Zerstörungszustand versetzt, den es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben hat. Was in der Nacht zum 15. Juli vielerorts passierte, entzieht sich der menschlichen Vorstellungskraft. Auch in Flamersheim an der Steinbachtalsperre, wo ich lebe und mit meinem Redaktionsbüro mit Fotoküche arbeite, hat der Kreis Euskirchen noch in der Nacht den Katastrophenfall ausgerufen und die Menschen evakuiert.

Mittwoch, 14. Juli 2021

9 Uhr: Es hatte die ganze Nacht geregnet. Ich bin froh, dass es am Morgen aufhört und ich trockenen Fußes zu meiner Covid-Impfung gelange. Auf dem Rückweg mache ich noch ein paar Besorgungen für eine Foto-Strecke mit Pilzen.

12 Uhr: Es fängt wieder an wie aus Kübeln zu schütten. Den ganzen Nachmittag ist es dunkel und ich habe nicht so recht Lust mit meinem Shooting anzufangen. Von der Impfung habe ich Arm-, Kopf- und Nackenschmerzen bekommen.

16.30 Uhr: In der Tiefgarage steigt das Wasser, sodass alle ihre Autos rausfahren.

19.30 Uhr: Der Strom fällt aus. Zeitgleich das Internet und das Handy-Netz. Die Nachbarn hier im Mehrfamilienhaus laufen im Treppenhaus zusammen und wir schauen im Keller nach, ob der Ausfall etwas mit der Hauptsicherung zu tun hat. Das Wasser presst sich an einigen Stellen durch Rohrdichtungen in den Keller, ist aber mit dem Unterstellen von Eimern zu regeln, während draußen die Hauseingänge volllaufen und das Wasser von Kirchheim aus kommend circa 30 cm hoch die Straße am Haus vorbeiläuft. Im Nachbarhaus kommen die Bewohner schon gar nicht mehr zur Haustüre rein, ohne durch kniehohes Wasser zu waten. Eine Nachbarin steigt durch das Parterre-Fenster ins Haus ein. Es ist nicht mehr möglich, ohne hohe Gummistiefel nach draußen zu gehen.

20.30 Uhr: In der Nachbarschaft hört man die ersten Flamersheimer ihre Keller auspumpen.

21.30 Uhr: Der Wasserstrom, der die Straße herunter in die Mitte des Ortes läuft, nimmt an Fahrt auf. Die Feuerwehr ist überall im Einsatz. Autos, die vorbeifahren, kommen kaum noch durch das Wasser durch. Die parkenden Autos werden zunehmend mit Wasser umspült. Wir gehen noch einmal in den Keller. Aufatmen. Noch ist alles trocken.

22.30 Uhr: Wir sitzen „bei Kerzenlicht“ und unterhalten uns über den Starkregen-Sommer 2016 – als sich schon einmal hier in der Region übermäßig viel Wasser seinen Weg über die Bäche in die Keller bahnte. Von überall her hört man nun geschäftiges Treiben und Sirenen. Im Unterdorf scheint die Lage schlimmer zu sein als hier bei uns im Wohngebiet Im Reiherflug. Noch immer sind Strom, Internet und Handynetz weg. Tage später erfahren wir, dass der Kreis Euskirchen um 22:41 Uhr auf Facebook eine Mitteilung herausgegeben hat – dass Teile von Flamersheim und Schweinheim in der Nacht evakuiert werden. Es bestehe in Teilen des Kreises akute Lebensgefahr.

23.30 Uhr: Trotz der ganzen Unruhe draußen begeben wir uns zur Ruhe. Denn der Wasserstrom – der eben noch die Straße herunterlief – hat sich beruhigt und ist größtenteils abgeflossen. Im Schlafzimmer hört man immer noch das Abpumpen der Keller. Ich ziehe deshalb ins Wohnzimmer um. Die Kopf- und Gliederschmerzen von der Impfung sind stärker geworden und ich bin froh, als ich endlich liege und einschlafe.

Donnerstag, 15. Juli 2021

3.30 Uhr: Ich wache auf, denn ich habe linksseitig vom Scheitel bis zur Sohle sehr starke Schmerzen und mir ist heiß. Ich bin beunruhigt, da mir auch der Brustkorb weh tut. Ich denke an die Worte meiner Hausärztin, dass es durch die Covid-Impfung mit Biontech in wenigen Fällen zu einer Brustmuskelentzündung gekommen ist und man sich beobachten solle. Ich liege wach und horche in mich rein. Da ich die Rolladen nicht runtergemacht habe, sehe ich durch das Fenster Blaulicht …  

3.40 Uhr: Ein Feuerwehr-Bus fährt mit einer Sirene rund und macht eine Durchsage. Ich bin irritiert und neugierig. Durch das gekippte Fenster kann ich die Durchsage nicht richtig verstehen. „Achtung, Achtung – hier spricht die Feuerwehr …“ – und was dann?

3.42 Uhr: Die dritte Durchsage kommt und ich habe die Balkontüre aufgemacht, schneide die Sequenz mit meinem Handy mit: „Achtung, Achtung – hier spricht die Feuerwehr. Es besteht eine akute Gefahrensituation. Bitte räumen Sie Ihre Häuser und finden sich beim Sammelplatz Edeka in Flamersheim ein.“ Mist … was mach ich jetzt? Noch immer ist der Strom weg und greife zu meiner kleinen Laterne mit Batterie-Kerze. Ich irre durch die Wohnung ins Schlafzimmer zum Kleiderschrank, wo ich mir die oberste Jeanshose greife und überstreife. Ich nehme die Schuhe mit Reißverschluss – das geht schneller. Das Schlafanzug-Oberteil bleibt an, nur schnell eine Jacke drüber und die Handtasche und das Handy mit. Das Feuerwehr-Auto ist weg. Aber ich höre keine Nachbarn im Treppenhaus. Auch draußen ist alles still, bis auf die Pumpen. Hat den Spruch etwa niemand gehört außer mir? Mist … ich muss die anderen wecken.

3.47 Uhr: Ich klopfe und bollere wie verrückt an die Türen der Nachbarn. Mir tun schon die Fingerknöchel weh. Es dauert einige Minuten, bis sie in der Etagentüre stehen. Ich berichte von dem Aufruf. Ungläubigkeit. Während sich die Nachbarn hier auf der Etage fertig machen, gehe ich rauf – weitere Nachbarn rausklopfen. Ein Paar hört nichts. Ich mache weiter, bis alle anderen fertig sind. Das Paar ganz oben im Haus bekommen wir definitiv nicht wach. Es muss zurückbleiben. Meine Nachbarin fragt mich, ob sie ihr Portemonnaie mitnehmen soll. Ich nicke.

4.00 Uhr: Wir sind auf dem Weg zum Edeka-Parkplatz. Als wir an einem parkenden Feuerwehrauto vorbeikommen, berichten wir von dem Paar, das noch im Haus ist. Die Feuerwehr sagt: Daran könne man jetzt nichts ändern. Man fahre die ganze Nacht mit der Durchsage rund. Entweder sie hören es oder nicht. Wir fragen uns, was das für eine Gefahrensituation ist, in der wir uns befinden. Hat es etwas mit dem Stromausfall zu tun? Oder sind durch das Unwetter Gasleitungen beschädigt? Oder ist irgendwo ein AKW-Unfall passiert? Daran mag ich jetzt nicht denken, sage ich den Nachbarn. Halt! Wir müssen noch einmal zurück. Mein Nachbar hat seinen Stock vergessen, ohne den mag er nicht weiter gehen. Wir sehen nun nach und nach Leute in Richtung Edeka laufen oder auch mit Autos fahren. Die Feuerwehr hilft gehbehinderten Menschen aus ihren Wohnungen.

4.30 Uhr: Der Edeka-Parkplatz ist voll mit Autos und Leuten. Einige haben sogar Koffer und anderes Gepäck dabei. Ich staune. Ein Feuerwehrmann mit Flüstertüte kommt und berichtet kurz, was los ist. Da die Steinbachtalsperre droht überzulaufen und die Staumauer brechen könnte, wird man uns nun mit Bussen in eine Turnhalle nach Kuchenheim bringen. Ein Raunen geht durch die Menge. Die Busse mit Aufschrift „Sonderfahrt“ fahren zügig vor und wir steigen ein. Mein Nachbar regt sich auf über die Durchsage der Feuerwehr „Räumen Sie die Häuser …“. Er hat vor 80 Jahren bereits nächtliche Evakuierungen und später, als er 13 Jahre alt war, eine Vertreibung mit Zwangsarbeit mitgemacht. Die Kindheit – von der er zwischenzeitlich zu glauben schien, sie sei „nur“ ein Film gewesen, kommt in dieser Nacht in ihm hoch und ist wieder präsent.

4.40 Uhr: Am Halleneingang werden alle mit Namen und Adresse registriert. Man fragt nach der Covid-Impfung. Die Turnhalle ist zunächst in drei Räume aufgeteilt: Vollständig durchgeimpft, nicht vollständig durchgeimpft, Sonderfälle. Leute, die keine Maske dabeihaben, müssen draußen warten, bis Masken kommen. Nach und nach kommen immer mehr Leute aus dem Ort an und haben auch ihre Tiere dabei, Hunde an der Leine, Katzen in Käfigen. Die Hallenaufteilung wird aufgehoben.

5.00 Uhr: Wir haben uns auf die Tribüne der Turnhalle gesetzt und warten auf neue Nachrichten. Noch immer sind Internet und Handyempfang tot. Trotzdem versuche ich immer wieder, Botschaften an die Familie abzusetzen. Zwischendurch lege ich mich immer wieder hin, weil ich Schmerzen habe und nicht mehr sitzen kann. Die Maske auf meinem Gesicht ist warm und ich werde müde, schlafe immer wieder kurz ein trotz des Trubels. Ich mache die Augen auf und sehe eine junge Frau mit einem ein bis zwei Tage alten Säugling, eine ältere Frau mit Rollator, die später erzählen wird, dass sie am Mittag zuvor aus dem Krankenhaus entlassen wurde und eine Wundversorgung braucht, eine Familie mit Kindern, die allesamt noch im Schlafanzug und barfuß sind, immer mehr Leute mit Tieren in Käfigen oder großen Hunden an der Leine.

7.20 Uhr: Statt neuen Informationen kommt eine Gulaschsuppe. Die ganze Situation ist surreal. Die Leute, die morgens Tabletten einnehmen müssen, sind allerdings froh – dass es etwas zu essen gibt. Wie kann die Steinbachtalsperre überlaufen oder auch der Damm brechen? Mein Nachbar erzählt, dass er die Talsperre mit einer Führung besichtigt habe und es Schleusenräder zum gezielten Wasserablassen gebe und auch einen Abfluss. Und er wundert sich. Und er wundert sich auch darüber, dass uns über die Warnapp NINA keine Warnung erreicht hat.

9.00 Uhr: Ein schwarzer Kaffee und ein trockenes Brötchen werden angeboten, auch etwas Obst. Die Hilfskräfte vom Malteser und vom Roten Kreuz können nichts zur aktuellen Lage oder auch zum weiteren Ablauf des Tages sagen. Immerhin hat die Halle in Kuchenheim Strom und ich habe glücklicherweise in letzter Minute noch an mein Handykabel zum Aufladen gedacht. Doch es gibt noch immer kein Internet oder Handynetz. Es ist nicht möglich, tagesaktuelle Termine abzusagen. Auch meine Familie kann ich nicht erreichen.

12.00 Uhr: Ein Bäcker aus dem Ort hat Brötchen und Gebäck gebracht. Die Lieferung war für ein Seniorenheim bestimmt, wird erzählt. Wegen des Unwetters konnte aber nicht ausgeliefert werden.

13.00 Uhr: Wir warten und warten. Stunde um Stunde vergehen in der Abgeschiedenheit der Turnhalle, während sich draußen Schreckliches ereignet hat – von dem wir aber rein gar nichts wissen oder ahnen.

15.00 Uhr: Ein Feuerwehr-Einsatzleiter sagt, dass die Lage sehr ernst sei und noch keine Entwarnung gegeben werden könne. Man bittet uns, in der Halle zu bleiben und auch hier zu übernachten. Wer eine Möglichkeit hat, bei Verwandten unterzukommen, kann die Halle nach Abmelden seiner Person verlassen – sofern die Straßen überhaupt befahrbar sind. Viele Verkehrswege seien überschwemmt, gesperrt oder kaputt. Da keine Kommunikation nach außen möglich ist und Verwandte nicht erreicht werden können, bleiben die allermeisten. Denn hier sind wir sicher, haben Strom und warme Getränke. In den Medien wird an diesem Tag von einem Experten berichtet, der die Talsperre als „sehr instabil“ eingestuft hat. Der Damm weise tiefe Furchen auf und könnte brechen. Der Ablass der Talsperre sei verstopft und das Wasser könnte nicht kontrolliert abgelassen werden. Man pumpe die Talsperre zurzeit mit Kräften von THW und Feuerwehr ab und habe zwischenzeitlich auch Teile von Rheinbach evakuiert. Doch diese Nachrichten gelangen nicht zu uns.

15.30 Uhr: Feldbetten kommen. Das Aufbauen der Gestänge fällt mir leicht dank zahlreicher Camping-Urlaube.

19.00 Uhr: Eine Linsensuppe zum Abendbrot.

22.00 Uhr Die erste Nacht mit circa 140 Personen in der Halle plus Tieren ist okay und erstaunlicherweise angenehmer als ein Dreibett-Zimmer im Krankenhaus, denn die Akustik der Halle eliminiert Schnarch- und andere Geräusche erstaunlich gut. Zum Glück sind meine Impfnachwirkungen besser, trotzdem wache ich immer wieder auf. Habe ich das alles nur geträumt?

Freitag, 16. Juli 2021

5.00 Uhr Ich schaue auf mein Handy, denn die Uhr in der Turnhalle ist nachts aus. Weitere Einsatzkräfte rücken an.

8.00 Uhr Es gibt Frühstück und man hat für uns Zahnbürsten und Handtücher organisiert. Offenbar dauert das Ganze hier nun doch länger als gedacht.

12.00 Uhr: Einige Leute sind gegen Empfehlung und auf eigenes Risiko noch einmal kurz nach Hause, um Tabletten, Kleidung und Auto zu holen oder Tiere zu versorgen. Sie bringen auch Radios mit. Und so erfahren wir, dass das Unwetter gleichzeitig an Ahr, Swist und Erft sowie in der Eifel massiv gewütet hat und hören von zahlreichen Toten und Vermissten. Wie sich nachher herausstellen wird, wussten alle – die TV oder Internet empfangen konnten – selbst im Ausland – mehr über unsere Evakuierungssituation als wir selbst.

Der Freitag plätschert ähnlich wie der Donnerstag dahin. Der Tagesablauf ist lediglich strukturiert durch drei Mahlzeiten, die uns die Einsatzkräfte bringen. Mein Nachbar sagt, wenn er wieder zu Hause ist, gibt es erst einmal keine Eintöpfe mehr bei ihm.

Leute aus Schweinheim, die mit uns in der Halle sind, hat es hart getroffen. Denn der Ort liegt direkt unterhalb der Steinbachtalsperre. Sie berichten von zerstörten Häusern, dramatischen Rettungsaktionen von Dächern in der Evakuierungsnacht und weggespülten Autos. Sie haben nur noch das, was sie am Leib tragen. Und mit 80 Jahren fängt man nicht mehr von vorne an, sagt eine Betroffene trocken. Auch einige Flamersheimer haben nicht nur Wasser im Keller, sondern werden ihre Häuser zunächst nicht bewohnen können – da auch das Erdgeschoss unterspült wurde. Ich wundere mich, wie gefasst diese Menschen sind. Erste Hilfsangebote von den Hallenbewohnern werden an sie herangetragen und man merkt, wie gut es beiden Seiten tut. Covid ist auf einmal kein Thema mehr und die Menschen scheinen trotz oder gerade wegen der fatalen Situation, die über uns schwebt wie ein Damoklesschwert, zusammenzurücken.

Zudem: Es ist für alle ein merkwürdiges Gefühl „über Nacht“ in einem erklärten Krisen- und Unglücksgebiet zu wohnen, wo nun THW, Feuerwehr und Bundeswehr im Einsatz sind, Erste-Reihe-Politiker mit Hubschraubern anreisen – um sich ein Bild von der Lage in der Region zu machen – während sich die Evakuierten selbst keinen Überblick über die Überschwemmung in ihrer Wohnung oder ihrem Geschäft machen können. Und es tut gut, in der Situation nicht alleine zu sein.

Die Hilfskräfte, die in unserer Halle im Einsatz sind, haben nun eine Kleiderkammer eingerichtet. Ich nehme mir auch ein sauberes T-Shirt, denn zwischenzeitlich ist das Wetter – Gott sei dank – umgeschlagen und die Sonne brennt. Mein langärmeliges Schlafanzugoberteil ist definitiv zu warm und an diesem Freitag bekomme ich sogar einen Sonnenbrand. Merkwürdiges Wetter. Der Klimawandel?!

Nicht bestätigte Nachrichtenfetzen über Risse in der Dammkrone und einen vermeintlichen Dammbruch geistern durch die sozialen Medien und sorgen für Verunsicherung, sodass wir fast stündlich die Nachrichten am Radio mit Spannung verfolgen und uns fragen, wann wir denn einmal persönlich informiert werden über die hiesige Lage und unser weiteres Schicksal. Denn heute ist ja bereits Tag drei der Katastrophe! Zum Glück hören wir nachmittags in den Medien von einer leichten Entspannung der Situation.

22.00 Uhr: Die zweite Nacht in der Turnhalle bricht an. Ich liege wach und denke daran, wie es meiner Familie in Wachtberg-Adendorf (nur 15 Kilometer von Altenahr entfernt) und meiner knapp vier Monate alten Nichte wohl geht. Ich konnte nur kurz simsen heute, das Netz war zu schlecht. Was ist mit meinem Zuhause und mit meinem Büro, mit meinen Festplatten und meinem darauf gespeicherten Lebenswerk, meiner Existenz als Journalistin und Fotografin – wenn der Damm der Talsperre bricht und Flamersheim überflutet wird? Und wie mag es nur Freunden, Bekannten und Kunden an der Ahr oder in der Eifel gehen? Ich denke auch daran, dass ich in der Nacht der Evakuierung nur meine Etagentüre zugezogen habe und der Ort nun verlassen ist und zu Plünderungen einladen könnte. Das Kopfkino ist schwer zu bewältigen.

Samstag, 17. Juli 2021

Die Ortschaften sind von der Bundespolizei abgeriegelt. Niemand darf mehr rein.

Zeitweise funktionieren WhatsApp und sms. Man hat den besten Empfang, wenn man vor der Halle eine kleine Anhöhe bis zu einem Acker heraufläuft. Während wir nach und nach von Freunden, Familie und aus dem Radio erfahren, welche Katastrophen sich ereignet haben und nun auch erst erste Bilder der Zerstörung sehen, können wir nur herumsitzen und abwarten.

Der Bürgermeister von Euskirchen, Sacha Reichelt, kommt am Nachmittag vorbei und informiert über die immer noch ernste Lage und die Arbeiten an der Talsperre. Ein verstopfter Ablauf wurde inzwischen erfolgreich freigelegt, wodurch der Dammbruch verhindert werden konnte. Allgemeine Erleichterung und Jubel, aber auch Kopfschütteln und Verwunderung über einen verstopften Abfluss. Ziel müsse es sein, heißt es weiter, die Talsperre um bis zu zwei Drittel ihres Volumens abzulassen. Nur so könne man sicher sein, dass die Lage unkritisch sei und die Bevölkerung zurück in die Orte könne. Der Bürgermeister zeigt die Perspektive auf, dass man – je nach Erfolg – Sonntagnachmittag mehr wisse und wir gegebenenfalls am Sonntagabend oder am Montagmittag nach Hause könnten. Es würde dann ab Montag im Ort ein zentraler Info- und Versorgungspunkt eingerichtet, da es noch sehr lange keinen Strom und somit auch keine Nahversorgung geben würde.

Sacha Reichelt verspricht am folgenden Tag noch einmal wiederzukommen und uns zu informieren, wie die Lage ist, was er auch tut. Es gibt zudem Informationen zur Entsorgung von verdorbenen Lebensmitteln und Fleisch sowie havarierten Möbeln und Haushaltsgeräten.

Sonntag, 18. Juli 2021

Am Sonntagnachmittag erfahren wir, dass der Pegel der Talsperre langsamer als erwartet sinkt und dass sich ein Experten-Team am Montagfrüh die Talsperre noch einmal anschauen wird, um dann nach endgültiger Beurteilung guten Gewissens die Bevölkerung wieder in die Häuser zurückkehren zu lassen.

Wir machen einen Spaziergang durch Kuchenheim und entdecken, dass hier zum Beispiel der Kiosk mit Post in den letzten Tagen geschlossen bleiben musste, weil die Betreiberin ebenfalls von der Evakuierung betroffen ist.

Montag, 19. Juli 2021

Ein Leben ohne Strom und sauberes Wasser?

Schon in der Halle haben wir uns Gedanken gemacht, wie ein Leben ohne aussehen könnte. Zuhause angekommen, war die erste Konfrontation die mit dem eigenen Kühlschrank, der in fünf Tagen ohne Kühlung zu einem echten Ekelprojekt geworden war. Kein warmes Wasser zum Saubermachen, kein heißer Kaffee am Morgen, keine warmen Speisen und keine frischen Lebensmittel mehr. Immerhin gibt es, anders als im Katastrophengebiet an der Ahr, fließendes Wasser, das zum Händewaschen und Duschen genutzt werden kann. Für den Verzehr sollte es abgekocht werden.

Auch bezüglich Strom-Alternativen wird sich künftig jeder Haushalt für Krisenfälle Gedanken machen müssen. Es fängt schon beim Konservenöffner an, der in vielen Haushalten heute nicht mehr von Hand, sondern elektrisch betrieben wird. Und was will man mit einem Trockenvorrat Reis und Nudeln, wenn man ihn nicht zubereiten kann?

Schlussbemerkung: Eines steht nach fünf Tagen Evakuierung ohne Vorankündigung fest: Wir werden künftig an unseren (Früh-)Warn- und Kommunikationssystemen arbeiten müssen. Für alle Fälle. Von einem Einsatzleiter des Roten Kreuzes haben wir erfahren, dass auch die Helfer während ihres Einsatzes große Schwierigkeiten hatten, untereinander zu kommunizieren, da die Netze zusammengebrochen waren.

Verglichen mit anderen Orten haben wir in Flamersheim sehr großes Glück gehabt, wofür wir unendlich dankbar sind. Mein Dank gilt an dieser Stelle im Besonderem dem Roten Kreuz, den Maltesern, dem ASB, den Johannitern, dem THW und den Feuerwehren, der Bundeswehr und den Betreuerinnen und Betreuern des Kreises Euskirchen. Außerdem ein herzliches Dankschön an alle freiwilligen Helferinnen und Helfer, die den Ort innerhalb von kürzester Zeit von havarierten Dingen und Müll befreit haben!

Straßenbild in Flamersheim am 19. Juli 2021: Verdorbene Lebensmittel in Säcken verschnürt und havarierte Haushaltsgegenstände reihen sich aneinander.

Unterstützung für Betroffene

Außer über die in den Medien bekannten Spendenkonten der Aktionsbündnisse und Hilfsorganisationen können Interessierte auch betroffene Orte direkt mit Geld- oder Sachspenden unterstützen. Auf den Internet- und Facebook-Seiten der Kreise, Städte und Gemeinden findet man hierzu Näheres. In den Facebook-Gruppen der einzelnen Orte kann man außerdem tagesaktuell erfahren, welche weiteren Sofort-Hilfen benötigt werden.

Tomate – der Liebesapfel unter den Fruchtgemüsen

Tomaten sind mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von etwa 12 Kilo das liebste Gemüse der Deutschen. Auch zu Tomatenmark, Püree oder Saft verarbeitet, sind die Rundlinge heiß begehrt. Kaum jemand kann sich heute Pasta-Gerichte, Pizza oder Pommes ohne den schmackhaften roten Klecks Tomatensauce vorstellen. In manchen Ländern wird das Fruchtgemüse sogar für den paradiesischen Apfel gehalten, mit dem Eva ihren Adam verführte. Ab Juli hat die sinnliche Frucht Freiland-Saison.

Herkunft aus Peru

Fast 300 Jahre lang kannte man die Tomate, die Entdecker Christopher Kolumbus bereits 1498 aus der Neuen Welt mit nach Europa brachte, in vielen Ländern jedoch nur als Zierpflanze. In Lustgärten konnte man den aus Peru stammenden Strauch, dessen Früchte botanisch gesehen Beeren sind, bewundern. In den meisten Küchen suchte man Tomaten bis ins 18. Jahrhundert vergeblich. Denn die Nachtschattengewächse galten – ebenso wie Kartoffeln – lange Zeit als giftig. Die ersten mutigen Genießer waren die Italiener, die die damals überwiegend kleinen goldgelben Früchte des Tomatenstrauchs als „Goldapfel“ (pomodoro) bezeichneten und sie fortan zu einer Basis-Zutat erklärten. Die Franzosen sagten der Tomate eine luststeigernde Wirkung nach und nannten sie deshalb „Liebesapfel“ (pomme d’amour).

Sinnliche Form und Farbe

Auch in anderen Ländern wurde die Tomate wegen ihrer sinnlichen Form und Farbe für die Paradiesfrucht gehalten, mit der Eva ihren Adam verführte. In Österreich kennt man die Tomate noch heute unter dem Namen „Paradeiser“ und stellt damit ihr himmlisches Aroma sowie ihre exotische Herkunft heraus. Erst um 1900 hielt das Fruchtgemüse Einzug in die deutsche Küche und es bürgerte sich der Name Tomate in Anlehnung an das aztekische Wort „xitomatl“ ein, was übersetzt „plumpe Frucht“ oder „Schwellpflanze“ bedeutet. In unzähligen Größen, Formen und Farben gibt es die Liebesäpfel. Runde oder ovale Exemplare mit glatter Haut als auch individueller gewachsene Vertreter, die länglich, gerippt oder leicht behaart sind. Zu den ausgesprochenen Raritäten zählen gestreifte, gelbe, grüne oder tief schwarzrote Naschtomaten, die man selten in Supermärkten, sondern eher in Liebhabergärten, auf den Tellern von Edelrestaurants oder beim Bio-Bauern antrifft.

Vielfältige Geschmacksaromen

Experten schätzen, dass es weltweit rund 15 000 Sorten des Fruchtgemüses gibt. Und genauso verschieden, wie die Früchte der Tomatenpflanze aussehen, schmecken sie auch. Mal vollreif und süßlich, mal herzhaft bis säuerlich oder zuweilen auch zitronig – so lässt sich der Geschmack einer guten Tomate beschreiben. Durch Trocknen der sonnenhungrigen Früchte nach der Ernte im Juli/August kann man ihre fein-würzige Note auch für die kalte Jahreszeit perfekt einfangen. Besonders die Tomatenverarbeiter in den südlichen Regionen Italiens verstehen sich auf diese traditionelle und schonende Methode der Haltbarmachung.

Getrocknete Tomaten

Während Hobbygärtner ihre Tomatenscheiben meist im Backofen dörren, hängen die Spezialisten in den großen Anbaugebieten – vor allem in Kampanien und Apulien – die hauchdünnen, mit Meersalz bestreuten Scheiben in großen Netzen bis zu fünf Tage zum Trocknen in die Sonne. Das Geheimnis dabei: Man wählt nur besonders delikate Sorten aus und trocknet die Früchte mit Kernen. Denn diese tragen maßgeblich zum Aroma der Tomate bei.

Vitaminreiches Gemüse

Schaut man dem „Liebesapfel“ unter die Haut, so finden sich hier neben den Vitaminen A, B und C Mineralstoffe und Antioxidantien. Insbesondere der rote Tomatenfarbstoff Lycopen kann vor Alterungsprozessen der Haut und Organe, vor Herzerkrankungen und Prostata-Krebs schützen. Das kalorienarme Fruchtgemüse tut nicht nur der schlanken Linie, sondern auch der Psyche gut. Der in den Tomaten enthaltene Glücksbotenstoff Tyrosin wirkt aufmunternd und hilft dabei, Stress abzubauen.

Geschmacklicher Höhepunkt vieler Speisen

Egal, ob formvollendet oder eigenwillig gewachsen – Tomaten sind optisch und geschmacklich Höhepunkt vieler Speisen, die ohne das rote Fruchtgemüse recht blass aussehen würden.

Wie gut, dass man in der kalten Jahreszeit neben pürierten Tomaten und Tomatenmark zu getrockneten Pomodori greifen kann! Die sonnengetrockneten Tomatenscheiben sorgen für genussvolle Abwechslung auf dem Teller und eignen sich hervorragend als Zutat für selbstgebackenes Brot, zum Würzen oder Dekorieren von Salaten. Aber auch zu einer pikanten Paste verarbeitet, schmecken die Trockenfrüchte auf frischen Teigwaren oder krossem Ciabatta.

Aber nun ist erst einmal Freilandsaison und die roten Früchte laden überwiegend zum Frischeverzehr ein.

Der Beitrag ist unter dem Titel „Sinnlich und sündig“ am 14.02.2009 in der Wochenendbeilage der Westdeutschen Zeitung erschienen und wurde nun von mir aktualisiert und um einige Rezepte erweitert.

Appetit bekommen? Hier geht’s zum Rezept-Trailer auf meinem Youtube-Kanal.

Rezepte mit frischen und getrockneten Tomaten

Rataouille

Französischer Klassiker der Landküche, der für Urlaubsfeeling sorgt!

Zutaten für 4-6 Personen

2 Zucchini

2 bunte Paprika

500 g Tomaten (enthäutet)

1 Aubergine oder 200 g grüne Bohnen

2 Zwiebeln

Frische Kräuter der Provence

Salz, Pfeffer

Zucker

Zubereitung

Für den mediterranen Gemüse-Eintopf Zucchini, Paprika, Tomaten, Auberginen oder Bohnen, Zwiebeln und Knoblauchzehen kleinschneiden und in etwas Olivenöl anschmoren. Mit den enthäuteten, kleingeschnittenenTomaten auffüllen. Frische oder getrocknete Kräuter der Provence, etwas Salz, Pfeffer und Zucker zugeben und weiter schmoren lassen, bis das Gemüse gar ist.

Tipp

Wer mag, kann auch mit etwas Rotwein abschmecken und noch Oliven zugeben. Mit den Kräutern kann man übrigens wunderbar dekorieren.

Tomaten-Kartoffelsuppe

Lecker mit frischen oder mit getrockneten Tomaten!

Zutaten für 4 Personen

500 g Kartoffeln

4 Eiertomaten (auch Roma- oder Pflaumentomaten genannt, überzeugen für Suppen und Saucen durch ihre Würze und geringeren Wassergehalt)

oder wahlweise

125 g getrocknete Tomaten

1200 ml Wasser

2 Knoblauchzehen

Salz, Pfeffer

frischer Oregano und Majoran

nach Geschmack auch etwas Chili-Schote

zwei Schalotten

etwas Sahne

Zubereitung

Wer getrocknete Tomaten nimmt: Diese zunächst mit warmem Wasser bedeckt 20 Minuten einweichen lassen.

In der Zwischenzeit die Kartoffeln waschen, schälen, in Stücke schneiden und beiseite stellen. Die Schalotten fein hacken. Mit etwas Öl in einem Topf andünsten. Die geschälten Knoblauchzehen jeweils halbieren und zugeben. Wenn die Schalotten glasig sind, das Wasser angießen und die Kartoffel sowie die eingeweichten Tomaten samt Sud zugeben. Mit Salz, Pfeffer und einigen Oregano- und Majoran-Blättern, nach Geschmack auch etwas Chili-Schote würzen.

Wer frische Tomaten nimmt: Die Eiertomaten in Stücke schneiden und ebenfalls mit den Kartoffeln zugeben. Die Suppe solange kochen lassen, bis die Kartoffeln zerfallen. Die Suppe dann mit einem Pürierstab sämig machen. Mit etwas Sahne und den Gewürzen nochmals abschmecken und mit Oreganoblättchen bestreut servieren.

Pesto rosso für zwei

Das lässt sich gut für einen lauen Sommerabend vorbereiten!

Zutaten

50 g getrocknete Tomaten (nicht in Öl eingelegt)

7 bis 10 EL Olivenöl

30 g Sonnenblumen- oder Pinienkerne

20 g Parmesan oder Pecorino

1/2 bis 1 geschälte Knoblauchzehe

Salz, Pfeffer, Zucker

Zubereitung

Getrocknete Tomaten in eine Schüssel geben und mit kochendem Wasser übergießen. Nach etwa fünf bis zehn Minuten eingeweichte Tomatenstücke abgießen und mit Küchenkrepp trocken tupfen. Pinienkerne in der Pfanne leicht anrösten. Kleingeschnittene Tomatenstücke zusammen mit Pinienkernen, Knoblauchzehe und Öl in einen Becher geben und mit dem Pürierstab zerkleinern.

Alternativ einen Mörser mit Stößel nutzen. Zunächst die Pinienkerne zerkleinern. Dann die Knoblauchzehe sehr fein schneiden und zugeben. Die kleingeschnittenen Tomaten und das Öl unterrühren.

Parmesankäse fein reiben und unterheben. Das Pesto mit einer Prise Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken und mit Pasta oder Brot servieren. Zum Anrichten auf dem Teller einige getrocknete Tomaten und frische Basilikumblätter bereithalten.

Selbstgemachtes Tomatenketchup

Als Grill-Sauce oder für den Vorrat!

Zutaten für 4-5 kleine Gläser oder Flaschen à 200 ml

800 g Tomaten

1 mittlere Zwiebel

200 g milder Essig

1 EL Salz

Paprikapulver oder Curry

Pfeffer

Zucker nach Geschmack

1 Tube Tomatenmark

Zubereitung

Die Tomaten kreuzweise einritzen und zum Häuten mit heißem Wasser überbrühen. Kurz ziehen lassen und dann die Haut abziehen.  Die Zwiebel schälen und fein hacken. Die Tomaten auf Stücke schneiden und zusammen mit den Zwiebel und dem Essig in einen Topf geben, Salz zugeben und die Masse köcheln lassen, bis die Tomaten gar sind. Mit Zucker und den anderen Gewürzen abschmecken und – je nach Feuchtigkeit der Tomatenmasse diese mit etwas Tomatenmark binden. Die Masse weiter einköcheln lassen, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Noch heiß in die vorbereiteten Gläser und Flaschen einfüllen.

Jetzt wird gepicknickt!

Kulinarisches Sommervergnügen unter freiem Himmel

Schnapp Dir eine Kleinigkeit! (aus dem frz. „Pique un nic“) – so könnte man das Wort „Picknick“ übersetzen. Die Mode, herrlich genüsslich unter freiem Himmel diverse Speisen und Getränke zu sich zu nehmen – etablierte sich im Zeitalter des Rokkoko in Frankreich als gesellschaftliches Sommerereignis. Aber auch schon die alten Griechen und Römer kannten Treffen im Grünen, bei denen man gemeinsam leckere Dinge verehrt hat. Im 19. Jahrhundert wurde das Picknick mit Korb, Decke und Thermoskanne, so wie wir es heute kennen, schließlich auch im Bürgertum populär.

Picknick-Basics

Egal ob Picknick im eigenen Garten oder draußen in der Natur – je nach Location und Mobilität empfiehlt es sich, den Picknick-Korb wohl bedacht zu bestücken. Eventuell ist es auch ratsam, eine Kühltasche für Getränke und leicht verderbliche Speisen und einen Rucksack für Zubehör wie Picknickdecke oder Sitzkissen mitzunehmen.

Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad seinen Picknick-Punkt aufsucht, muss zudem darauf achten, dass das Gepäck nicht zu umfangreich und schwer ist. Im Handel gibt es Geschirr aus Emaille oder Melanin, das Camping-Urlaubern wohl bekannt ist. Dieses ist leicht zu transportieren und geht nicht kaputt. Auch Salatschüsseln & Co. sollten keinesfalls aus Glas oder Porzellan sein. Eine Ausnahme stellen für In-der-Nähe-Picknicker Bügel- und Einmachgläser dar. Diese sind dickwandig und äußerst stabil, sehen zudem hübsch aus auf dem Picknickbuffet. Ganz wichtig ist es, auch eine Mülltüte einzupacken, falls vor Ort kein Mülleimer sein sollte. Schmutziges Besteck lässt sich für den Heimtransport gut in ein Küchenhandtuch einrollen.

Was alles in den Picknick-Korb gehört

Neben Picknickdecke, Geschirr, Besteck und Servietten gehören natürlich und vor allem köstliche Speisen in den Picknickkorb. Je nach Saison oder Tageszeit bieten sich verschiedene Salate, Spieße, Gemüse-Stifte, Dips mit Brot, Süßspeisen, kleine Kuchen und Obst an. Bei der Auswahl der Speisen sollte man sich die Frage stellen: Was hält sich auch mit weniger Kühlung gut und ist einigermaßen kleckerfrei zu essen?

Rezeptideen für den Picknickkorb

Hier gibt es einige Rezeptideen für den Picknickkorb, die vom morgendlichen Porridge über Bratkartoffelspieße mit Hüttenkäse-Salat, scharfen Rettichsalat mit Gänseblümchen, Pizza-Schnecken bis hin zu Milchreis mit Fruchtgrütze reichen. Leckere Ideen für selbstgemachte Sommerdrinks findet Ihr hier.

Youtube-Trailer zum Beitrag ansehen.

Joghurt-Porridge mit Früchten

Zutaten für 4-6 Personen

1 l Vollmilch

8-10 EL feine Haferflocken oder Müslimischung

Honig zum Süßen

etwas Zimt oder Vanillezucker

Trockenfrüchte (getrocknete Apfel- und Mango-Stückchen, Rosinen oder Cranberries)

500 ml Naturjoghurt

Nüsse nach Geschmack

Zubereitung

Die Milch zum Kochen bringen und die Haferflocken mit den Trockenfrüchten einrühren. Alles kurz aufkochen und dann köcheln lassen, bis die Masse anzieht. Nachdem der Haferbrei abgekühlt ist, den Joghurt unterziehen und nach Geschmack süßen und mit Zimt oder Vanillezucker und Nüssen verfeinern.

Tipp

Natürlich lässt sich das Joghurt-Porridge alternativ auch mit frischen Früchten der Saison wie Erdbeeren oder Blaubeeren aufpeppen.

Bratkartoffel-Spieße mit Cottage Cheese-Salat

Rezept für 4 Personen

Für die Bratkaroffel-Spieße

1 kg Pellkartoffeln vom Vortag

Salz, Paprika-Gewürz, Rapsöl

Holz-Spieße

Zubereitung

Die gepellten Kartoffeln vierteln und in einer Pfanne in ausreichend Fett knusprig braten. Mit Salz und Paprika-Gewürz abschmecken. Die kalten Bratkartoffel-Stücke auf Spieße stecken.

Für den Hüttenkäse-Salat

800 g Hüttenkäse

250 g eingelegte Kräuteroliven

250 g Cocktail-Tomaten

frische mediterrane Kräuter (Majoran, Basilikum, Oregano)

Salz, Pfeffer, Olivenöl

Zubereitung

Den Hüttenkäse mit Salz, Pfeffer und kleingehackten Kräutern würzen. Etwas Olivenöl dazugeben. Die Kräuteroliven und die Tomaten in kleine Stücke schneiden. Unter den Hüttenkäse heben.

Tipp

Wer Variationen liebt: auch Paprika- und Gurken-Stücke passen zum Hüttenkäse-Salat.

Rettichsalat mit Gänseblümchen – eine scharfe Nummer!

Zutaten für 4 Personen

2 Rettiche

Salz, Pfeffer, Schnittlauch

6 EL Rapsöl, 3 EL Kräuteressig

1 TL Honig, Gänseblümchen

Zubereitung

Den Rettich schälen und grob reiben. Mit einem TL Salz durchmengen und etwas ziehen lassen. Den ausgetretenen Saft ablaufen lassen und Pfeffer, Schnittlauch, Rapsöl und Kräuteressig zugeben. Mit Honig abschmecken. Kurz vor dem Servieren mit Gänseblümchen dekorieren.

Pizza-Schnecken

Zutaten für 12-14 Stück

300 g Mehl

1,5 TL Backpulver

1 EL Zucker

30 g weiche Butter

180 ml Milch

70 g Tomatenmark

2 TL Oregano

100 g Salami

eine halbe rote Paprika

1 rote Zwiebel

200 g Gouda oder Emmentaler

Salz, Pfeffer

Zubereitung

Den Backofen auf 180 Grad Celsius vorheizen, Backblech mit Backpapier auslegen. Mehl, Zucker, Butter und Milch in eine Schüssel geben. Alles zu einem geschmeidigen Teig kneten. Den Teig kurz ruhen lassen.

Auf der bemehlten Arbeitsfläche den Teig nochmals durchkneten und zu einem 30 x 40 cm großen Rechteck ausrollen. Tomatenmark und Gewürze darauf gleichmäßig verteilen. Salami, Paprika und Zwiebel in feine Steifen oder Stücke schneiden und den Käse reiben.

Den Teig dann von der langen Seite her möglichst engmaschig aufrollen. Die Teigrolle mit einem Sägemesser in 12 bis 14 gleichgroße Stücke schneiden. Die Schnecken mit der Schnittfläche nach oben nacheinander auf das Backblech legen und 30 Minuten lang backen, bis sie goldbraun sind.

Milchreis mit Fruchtgrütze

Zutaten für 4 Personen

Für den Milchreis

1,5 Liter Vollmilch

250 g Milchreis

60 g Zucker, ein Stück aufgeschlitzte Vanilleschote

Für die rote Grütze

500 g gemischte Beerenfrüchte und/oder Kirschen, 500 ml roter Fruchtsaft

2 TL Stärkemehl zum Binden

nach Geschmack etwas Zimt und Zitronensaft

Zubereitung

Die Milch zum Kochen bringen. Milchreis, Zucker und Vanilleschote zugeben und unter rühren aufkochen lassen. Bei mittlerer bis schwacher Hitze circa 40 Minuten simmern lassen. In der Zwischenzeit die Früchte putzen und entsteinen, zuckern und Saft ziehen lassen. Den Saft der Früchte mit dem Fruchtsaft und mit dem in etwas Wasser aufgelöstem Stärkemehl zum Kochen bringen und die Früchte dazugeben. Die Früchte in der Sauce ziehen lassen. Nach Geschmack eine Messerspitze Zimt und etwas Zitronensaft zugeben. Die Grütze und den Milchreis kalt werden lassen und in Bügelgläser schichten.

Tipp

Für die helle Fruchtgrütze benötigt man 2 Äpfel oder 500 g Pfirsiche oder Aprikosen, 100 g Rosinen und hellen Trauben- oder Apfelsaft.

Hobby: Bienen & Honig

Zu Besuch bei einer Neu-Imkerin

Selbstimkern liegt im Trend. Für viele Anfänger zählt nicht nur der Honig-Ertrag, sondern vor allem die Leidenschaft für Biene und Kulturlandschaft. Zu Besuch bei der Neu-Imkerin Claudia aus Wachtberg bei Bonn habe ich erfahren – wie man in das Hobby einsteigen kann. Darüber hinaus gab’s auch noch fachkundige Infos zu dem vielseitigen Naturprodukt.

Wie alles begann

„Alles fing an mit dem Roman ‚Die Geschichte der Bienen‘. Dann kam ein Sachbuch nach dem anderen und mein Interesse an diesen kleinen faszinierenden Tieren wuchs stetig. Schließlich ermutigte mich mein Partner zu diesem neuen Hobby. Eigentlich war es im Spaß gemeint, aber dann ich doch mehr daraus geworden“, so Claudia, die als Betriebswirtin in einer Software-Firma arbeitet. Interessiert hat sie im Internet nach Informationen und Seminaren gestöbert. Denn es benötigt schon etwas Wissen in Theorie und Praxis, bevor man startet. Über den Imkerverband hat die Neu-Imkerin dann Einsteigerkurse, die es sogar online gibt, absolviert.

Fazination Biene

Die Honigbiene ist in der Tat ein faszinierendes Insekt, denn sie besucht etwa zehn bis 15 Millionen Blüten, um ein Kilogramm Honig zu produzieren. Durch ihre Bestäubungstätigkeit leisten die kleinen Lebewesen einen ungeheuerlich großen Beitrag zum Bestand der weltweiten Artenvielfalt. Ursprünglich stammt sie aus Südostasien und zählt neben Rind und Schwein mit zu den ältesten Nutztieren der Menschheit, denn schon bei den alten Ägyptern findet man Hinweise auf Bienenhaltung. Weltweit gibt es über 20.000 Bienenarten, von denen allerdings nur einige Hundert arbeitsteilige Staaten von bis zu 60.000 Tieren pro Stock bilden. Für die Imkerei ist hierzulande die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) von Bedeutung, die man wiederum in über 20 Unterarten oder Rassen unterteilt. „Besonders bemerkenswert finde ich, dass es in einem Stock von der Putzbiene über die Amme, die Honigmacherin, die Baubiene, die Wächterin am Eingang bis hin zur Sammelbiene verschiedene Stationen mit Aufgaben gibt, die eine Biene während ihres kurzen Lebens von nur einigen Wochen durchläuft“, so Claudia.

Ein Bienenvolk kann aus bis zu 60.000 Arbeiterinnen bestehen.

Auch dass eine Biene schon während des Sammelns von Nektar oder Honigtau diesen mit Enzymen anreichert und bereits hier das Honigmachen beginnt, fasziniert Claudia an den kleinen Insekten. „Im Stock übergibt die Sammelbiene ihr Sammelgut an die Stockbiene, welche es kaut und in die Wabenzellen einlagert. Die Bienen trocknen, wenn man so will, den eingelagerten Nektar, der durch Enzyme zu Honig reift. Sobald er trocken genug ist, wird er durch einen dünnen Wachsdeckel versiegelt“, erläutert die Imkerin.

Individueller Geschmack

Der Geschmack oder Charakter eines jeden Honigs ist einzigartig und hat mit dem Standort des Bienenstocks zu tun. Eine Honigbiene kann vom Stock bis zur Blüte in einem Radius von bis zu 5 Kilometern ausschwärmen und das macht eine einzelne Biene bis zu 16 Mal pro Tag. „Hier in Adendorf haben wir viele Obstplantagen mit Äpfeln und Erdbeeren. Darüber hinaus gibt es Felder mit Raps, Weiden mit Löwenzahn und Wildblumen und Gärten mit verschiedenen Blühpflanzen. Mein erster Honig wird dementsprechend ein Blütenhonig sein. Aber bis dahin müssen sich die Bienen erst einmal gut eingewöhnen, viele Nachkommen produzieren und den ersten Winter überstehen“, so die Imkerin, die auch selbst eine Bienenweide mit Wildblumen direkt vor den Bienenstock ausgesät hat – um ihre Tiere beobachten zu können.

Durch den Rauch des Smokers bleiben die Bienen im unteren Teil des Kastens, sodass die Imkerin ungestört arbeiten kann.

Start mit zwei Bienenstöcken

„Nach meinen ersten Kursen habe ich Ausschau gehalten nach geeignetem Equipment. Für den Start wollte ich erst einmal klein anfangen mit zwei Stöcken. Die Bienenkästen habe ich von einem Imker übernommen, der aus Altersgründen aufgehört hat“, so Claudia. Dass man einen Imkeranzug und eine Pfeife benötigt, denn so wird der Imker immer noch auf Bildern dargestellt, ist überholt. Der moderne Imker oder die moderne Imkerin braucht „nur noch“ einen Imkerhut mit Schleier zum Schutz des Gesichts und einen sogenannten Smoker. Das ist ein kleines Gerät, ähnlich einer Konservendose mit einem Blasebalg und einem Mini-Schlot, aus dem dann der Rauch strömt, während im Inneren ein wenig Pappschachtel und trockenes Gras brennen. „Wenn ich die Kästen öffne, um die Waben zu kontrollieren, bringe ich den Rauch direkt auf die Waben aus. Das ist das Zeichen für die Bienen – dass der Wald brennt. Bevor sie flüchten, nehmen sie dann noch einmal viel Honig zu sich und bleiben auf der Wabe. Während sie beschäftigt sind, kann ich in Ruhe an den Rahmen arbeiten“, so Claudia.

Überschüssiger Wachs muss abgeschabt werden, damit sich die Rahmen des Bienenkastens entnehmen lassen.

Wabenpflege

Mit einem Spachtel, den man Stockmeißel nennt, schabt die Imkerin nach dem Öffnen des Bienenstocks den überschüssigen Wachs von den Rahmen, damit sich diese lösen und herausnehmen lassen. „In jedem Bienenstock, der bei uns Imkern übrigens Beute heißt, befinden sich Holzrähmchen, mit denen man den Bienen eine Art Bauvorgabe macht. Würde man das nicht tun, würden sie wilde Gebilde bauen und man hätte später dadurch Schwierigkeiten beim Schleudern des Honigs“, so Claudia – die sich dann sukzessive jeden einzelnen Rahmen und die darin gebauten Waben sowie Arbeiterinnen und Brut anschaut. Sie zählt dann die Bienen auf jedem Rahmen nach einem bestimmten Schema und kann anhand des Besatzes sehen, wie gut es ihrem Volk geht.

Die Bienen waren sehr fleißig und haben das Rähmchen komplett bebaut.

Besonders die Kinderstube mit Eiern und Laven schaut sie sich genau an. „Anhand des Entwicklungsstadiums der Larven kann ich sehen, wie legefreudig die Königin ist und wie gut die Ammenbienen die Brut versorgen“, so Claudia – die in ihrer Freizeit zum sozialen Leben der fleißigen Insekten diverse Bücher und Filme förmlich verschlingt.

In der Kinderstube des Stocks ist reges Treiben: Die Ammenbienen versorgen die Larven. Nach drei Tagen schlüpfen aus den Bieneneiern Larven. Fünf Tage lang werden sie gefüttert. Sobald sie sich verpuppen, verschließen die Ammenbienen die Wabe mit einem Deckel.

„Wenn das Volk im Stock wächst und gedeiht, kann man sukzessive mehr Rähmchen in die Beuten einhängen. Die Bienen werden so weiter zum Bauen und zur Honigproduktion animiert“, erläutert die 32-jährige, die mit ihren beiden Stöcken ein bis zwei Stunden Arbeit die Woche für das Hobby aufbringt. Aber das ist erst der Anfang. Wenn es mal mehr Stöcke werden und die Honigproduktion in vollem Gange ist, dann nimmt sie für ihr Bienen-Hobby phasenweise auch gerne noch mehr Stunden in Kauf.

Honig – gelbes Gold

Im ersten Jahr wird die Neu-Imkerin allerdings keinen Honig ernten können – denn die beiden Völker sind noch zu klein und die Honigmengen zu gering. „Um zu wachsen, benötigt das Volk den Honig im Moment für sich selbst. Im nächsten Jahr rechne ich allerdings mit einem ersten Ertrag. Man sagt dass, ein Volk pro Jahr bis zu 30 Kilogramm Honig produziert“, so Claudia. Damit sich sogenannte Klein-Imker nicht selbst eine teure Schleudermaschine anschaffen zu müssen, bietet der Imkerverein, in dem Claudia Mitglied ist, sogenannte Schleuderpartys an. Das sind Treffen, bei denen die Imker zusammenkommen, um gemeinsam den Honig aus ihren Waben zu schleudern, den Honig zu reinigen und professionell in Honiggläser abzufüllen. Gemeinsam macht das natürlich auch mehr Spaß und der Austausch unter Kollegen ist auch wichtig und man unterhält sich über dies und das rund um die Biene und den Honig. Eines der brennenden Imker-Themen ist immer wieder die Varroa-Milbe.

Tücken des Imker-Seins

„Die Varroa-Milbe ist – wenn man so will – der größte Feind der Bienenvölker. Das Biest schmuggelt sich sozusagen undercover in den Bienenstock und vermehrt sich in der verdeckelten Brut. Dort saugt die Milbe bereits an den Bienenlarven und schwächt sie. Aber auch ältere Tiere können befallen werden“, so Claudia. Wichtig ist daher bei der regelmäßigen Kontrolle der Stöcke und Waben auf erste Anzeichen zu achten. Wenn man Milben findet, sollte man eine Varroa-Behandlung durchführen – um das Volk zu retten.

Insgesamt gilt: Nur wenn das Volk gesund und kräftig bleibt, wird es auch schwierige Zeiten wie schlechte Wetterperioden mit wenig Nahrungsangebot überstehen. „Sein Volk gut über den Winter zu bringen, ist eine weitere Herausforderung. Auch im Winter schaue ich, wie es dem Volk geht und überprüfe den Futtervorrat“, so die Imkerin.

Neues Jahr – neues Imkerglück

Sobald die Temperaturen im Frühjahr jedoch steigen, nimmt das imposante Zusammenspiel im Stock mit der Eiablage durch die Königin erneut an Fahrt auf. Und spätestens im April ist das neue Honigjahr in vollem Gange! Je nach Jahreszeit und Tracht gibt es ganz verschiedene Honige, die alle anders – von mild bis kräftig-würzig im Aroma und – je nach Zusammensetzung der Zuckerarten – von flüssig bis cremig in der Konsistenz – sind. Mit Tracht meint der Imker oder die Imkerin im Übrigen das gesamt Angebot an Nektar, Pollen und Honigtau, welches die Bienen sammeln und in ihrem Stock verarbeiten.

Wer nun auch Lust bekommen hat aufs Imkern, der kann sich hier über Seminare und weitere Schritte erkundigen:

www.imkerverbandrheinland.de

www.mellifera.de

Auch wer keine Bienen hält, aber einen Garten oder Balkon hat, kann die fleißigen Tiere und den Erhalt der heimischen Vielfalt unterstützen, indem er Blumen, Bäume und Pflanzen in sein Umfeld holt, die eine Nahrungsquelle für Bienen darstellen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat hierzu jüngst ein Lexikon Bienenfreundliche Pfanzen in Broschürenform herausgegeben. Auch eine Bienen-App fürs Handy ist im Play oder App Store verfügbar.

Ein Filmchen vom Besuch bei Claudia findet Ihr auch auf dem Youtube-Kanal von „Die Fotoküche“ unter diesem Link.

Leckeres mit Honig

Das Naturprodukt Honig ist nicht nur sehr vielseitig im Aroma, sondern auch vielfältig in der Küche einsetzbar. Ob im Salatdressing, in Grillmarinaden und Bratensoßen oder aber ganz klassisch als Süßungsmittel für Gebäck, Desserts und Getränke – mit Honig verleiht man seinen Kreationen ein einzigartiges Flair. Hier gibt es einige Rezept-Ideen.

Bienenstich – ein Rezept aus „Bergische Küchenklassiker – Das Backbuch“ (Wartberg Verlag) 

Der Bienenstich hat seinen Namen einer mittelalterlichen Bäckersage aus Andernach am Rhein zu verdanken. Zwei Bäckerjungen sollen 1474 einen Angriff der Linzer Bevölkerung auf die Stadt durch Bienennester abgewehrt haben. Zur Feier des Tages backten sie einen besonderen Kuchen, der ab den 1950er Jahren überall in Mode kam.

Zutaten für 1 Springform à 26-28 cm

Für Boden und Deckel

400 g Mehl, 30 g Hefe, 125 ml Milch, 50 g Zucker, 50 g weiche Butter, 2 Eier Größe M, 1 Prise Salz, 1 Zitrone, davon der Abrieb

Für die Buttercreme

800 ml Milch, 2 Päckchen Puddingpulver Vanille- oder Sahnegeschmack, 100 g Zucker, 100 g weiche Butter

Für die Mandelmasse

100 g Mandelstifte, 100 g Butter, 100 g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker, 4 EL Milch, 2 EL Mehl, 2 EL Bienenhonig, wahlweise 100 g rotes Johnannisbeergelee

Zubereitung

Für Boden und Deckel zunächst einen Hefe-Vorteig bereiten. Dann die übrigen Zutaten zugeben und den Teig abermals gehen lassen, bis er sich nahezu verdoppelt hat.

Für die Buttercreme 600 ml Milch mit dem Zucker zum Kochen bringen. Das Puddingpulver mit der restlichen Milch verrühren und sobald die Milch kocht unter ständigem Rühren zugeben. Die Puddingmasse anziehen lassen und sofort von der Herdplatte nehmen. Etwas abkühlen lassen, bis die Masse nur noch lauwarm ist. Die Butter schaumig schlagen und löffelweise die Puddingmasse zugeben. Die Creme kaltstellen. Den Backofen auf 180 Grad Celsius Ober-Unterhitze vorheizen.

Für die Mandelmasse Zucker, Vanillezucker, Bienenhonig und Milch zum Kochen bringen. Butter, Mandeln und Mehl unter ständigem Rühren zugeben und kurz mitkochen, bis die Masse anzieht. Kurz abkühlen lassen. In der Zwischenzeit den Teig rund ausrollen und in eine gefettete Springform geben. Die Mandelmasse aufstreichen und den Kuchen bei 180 Grad Celsius Ober-Unterhitze circa 30 Minuten backen, bis die Mandelmasse goldbraun ist.
Den Kuchen aus der Springform nehmen, auf einem Gitter auskühlen lassen und dann in der Mitte durchschneiden. Den unteren Teil nach Geschmack zunächst mit Johannisbeergelee bestreichen und dann die Buttercreme darübergeben. Den oberen Teil, den Mandeldeckel, in 12 Kuchen-Stücke schneiden und diese auf der glattgestrichenen Buttercreme wieder zusammensetzen. Den Kuchen bis zum Verzehr kühlstellen.

Linsensalat mit Ziegenkäse – ein Rezept aus „Niederrheinische Küchenklassiker“ (Wartberg Verlag)

Zutaten für 4 Personen

500 g braune Linsen, 1 Bund Suppengrün, 1 Knoblauchzehe, Salz, Pfeffer, Zucker

Für die Vinaigrette

4 EL Himbeeressig, 6 EL Sonnenblumenöl, 1 TL Honig, Salz, Pfeffer, frische Gartenkräuter

Zubereitung

Das Suppengemüse putzen und kleinschneiden. Die Knoblauchzehe auspressen. Beides in etwas Öl kurz anschwitzen und mit 700 ml leicht gesalzenem Wasser oder Brühe ablöschen. Die Linsen zugeben und bei geschlossenem Deckel köcheln lassen, bis sie gar – aber noch bissfest sind. In der Zwischenzeit die Vinaigrette bereiten. Die Linsen abschütten und mit der Vinaigrette verrühren. Mit gehackten Gartenkräutern, Salz und Pfeffer abschmecken.

Tipp

Mischen Sie feine Blattsalate der Saison, Tomaten oder Erdbeeren unter den Linsensalat und dekorieren ihn mit feinem Ziegenkäse nach Feta-Art. Wer es besonders herzhaft mag, kann die Vinaigrette noch mit einer gehackten Zwiebel verfeinern.

Ostergebäck mit Tradition

Leckere Lämmchen & Co.

An Ostern kommen hierzulande gerne gebackene Lämmchen und Hasen aus Rührkuchenteig auf den Tisch. Beliebt ist ebenso ein geflochtener Kranz aus Hefeteig mit einem hartgekochten, bunt gefärbten Ei in der Mitte. Auch in anderen Ländern wie Italien oder Russland kennt man traditionelle Osterkuchen und -brote.

Symbolisches aus der Osterbackstube

Während das Lamm von jeher ein Opfersymbol für das Leiden und den Tod Jesu Christi darstellt, ist das Ei in vielen Religionen als Wiedergeburts-, Lebens- und Fruchtbarkeitsymbol zu finden. Der Hase hingegen geht auf heidnisches Brauchtum und das germanische Frühlingsfest zu Ehren der Göttin Ostera zurück. Meister Lampe ist ein Frühlingsbote und ebenso wie das Ei ein Fruchtbarkeitssymbol aus alter Zeit. Denn er gehört zu den ersten Tieren, die im Frühjahr zahlreichen Nachwuchs bekommen.

Friedenstaube und rundes Kuchenglück

In Italien bäckt man zum Osterfest einen Hefekuchen mit Orangeat, Zitronenabrieb, Hagelzucker und Mandelblättchen oder Zuckerglasur in Form einer Friedenstaube. Die „Columba pasquale“, also wörtlich „Ostertaube“, darf auf keinem Osterbrunch-Buffet fehlen.

Das russische Osterbrot heißt indessen „Kulitsch“. Den schweren Hefeteig mit viel Butter und Eiern bäckt man in einer hohen Backform oder in einem feuerfesten Topf als runden Kuchen aus und würzt ihn mit Rosinen, Vanille, Kardamom und Muskat. Die Oberseite des Hefekuchens wird mit einer Puderzucker- Eischneeglasur und bunten Streuseln oder Mandelstiften versehen.

In der Osternacht wird das süße Osterbrot mit Quark und Eiern zum Fastenbrechen gereicht und zuvor am Karfreitag gesegnet. Ein rundum gelungener Kulitsch zählt im Brauchtum übrigens als gutes Omen für das kommende Jahr.

Wer das Osterlamm bzw. den -hasen oder auch den Kulitsch nachbacken möchte, findet nachfolgend die Rezepte.

Osterlamm oder -hase

Zutaten für eine Hasen- oder Lamm-Backform (ca. 500-700 ml Volumen)

100 g Butter

100 g Zucker

½ Päckchen Vanillezucker

1 unbehandelte Zitrone, davon den Abrieb oder 2 EL Rum

1 Prise Salz

2 Eier

2 EL Milch

80 g Mehl

80 g Speisestärke oder 40 g Speisestärke und 40 g Kakaopulver

1,5 TL Backpulver

Fett und etwas Grieß für die Backform

Zuckeraugen und Puderzucker für die Dekoration

Zubereitung

Den Backofen auf 160 Grad Celsius Umluft einstellen. Die Backform auf der Innenseite gründlich einfetten, mit Grieß ausstreuen und wieder sorgfältig verschließen. Butter, Zucker, Vanillezucker, Zitronenabrieb, Salz, Eier und Milch mit dem Handmixer schaumig aufschlagen. Mehl, Speisestärke und Backpulver sukzessive unter Rühren zum Teig geben.

Den Teig am besten mithilfe eines Löffels in die Öffnung der Form füllen. Die Form nur bis maximal zu drei Viertel füllen, auch wenn etwas Teig übrig bleiben sollte. Die Form dann auf ein Blech auf die untere Schiene des Backofens stellen und gut 30-40 Minuten bei 160 Grad Celsius Umluft im vorgeheizten Ofen backen. Eine Stäbchenprobe machen und den Kuchen, sobald er gar ist, in der Form abkühlen lassen und dann erst aus der Form nehmen.

Die Zuckeraugen in den Teig drücken (ggf. mit etwas Puderzucker befestigen). Das Gebäck mit Puderzucker bestreuen. Mit Schoko-Eiern oder anderen Ostersüßigkeiten dekorieren.

Kulitsch (Russisches Osterbrot)

Zutaten für 1 Laib

500 g Mehl

25 g frische Hefe

100 ml Milch

100 g Zucker

100 g weiche Butter

5 Eigelb

50 g Rosinen

25 g kandierte Früchte oder kleingeschnittene Trockenfrüchte (z.B. Aprikosen)

1 EL Rum oder Cognac

1 unbehandelte Zitrone, davon den Abrieb

jeweils ½ bis 1 TL Kardamom, Muskatnuss und Safran

1 Päckchen Vanillezucker

1 Prise Salz

Mehl für die Arbeitsfläche

Für die Glasur

1 Eiweiß, 100 g Puderzucker

Für die Dekoration

Bunte Zuckerstreusel oder Mandelsplitter

Zubereitung

Aus ein wenig Mehl, Hefe und Zucker zunächst mit der lauwarmen Milch einen Hefevorteig ansetzen. Wenn dieser Blasen wirft, die restlichen Zutaten zugeben und den Teig zu einer homogenen Masse kneten. Die Rosinen und Trockenfrüchte zum Schluss einarbeiten.

Den Teig abermals gehen lassen, mit etwas Mehl aufarbeiten, zu einer Kugel formen und in eine gefettete feuerfeste runde Form (Durchmesser circa 16-18 cm) drücken.

Bei 180 Grad Celsius Ober-/Unterhitze im vorgeheizten Ofen etwa eine knappe Stunde backen. Die Stäbchenprobe machen und den fertigen Kuchen in der Form auskühlen lassen. Sobald der Kuchen ausgekühlt ist, das Eiweiß mit dem Puderzucker steif schlagen und auf den oberen Teil des Kuchens auftragen.

Mit Zuckerstreuseln oder Mandelsplittern bestreuen und trocknen lassen.

Weitere Rezepte gefällig?

Noch mehr Brauchtumgsgebäck zu den Feiertagen gibt es in dem Band Bergische Küchenklassiker – Das Backbuch im Wartberg Verlag.

Henriette Davidis: Zum 220. Geburtstag der kulinarischen Bestseller-Autorin

Ein Rückblick auf ihr wichtigstes Werk – das Praktische Kochbuch

Wer sich mit der Historie des Kochens beschäftigt, wird zwangsläufig über Henriette Davidis stolpern. Das von ihr verfasste und viel zitierte Werk „Praktisches Kochbuch. Zuverlässige und selbstgeprüfte Recepte der gewöhnlichen und feineren Küche“ ist ab 1845 bis heute in über 60 Auflagen und Nachbearbeitungen erschienen. Es unternimmt erstmals den Versuch, eine überregionale deutsche Küche des Bürgertums aufzuzeichnen.

Am 01. März 1801 wurde Henriette Davidis als zehntes von dreizehn Kindern des Pfarrers Ernst Heinrich Davidis und seiner holländischen Ehefrau Maria Katharina Litthauer geboren im heutigen Wetter-Wengern an der Ruhr geboren. Bis heute hat die Bestseller-Autorin einen Fußabdruck in der Kochbuch- und Ratgeber-Literatur hinterlassen.

In Antiquariaten findet man heute noch vereinzelt frühe Auflagen, die als Original zitierfähig sind.

Erster deutschlandweiter Küchenratgeber ab 1845

Bei Henriette Davidis, die unter anderem im Bergischen Land als Hauswirtschaftslehrerin wirkte, finden sich nicht nur einfache Gerichte des Volkes und Anleitungen zur Haltbarmachung von Obst und Sauerkohl, sondern auch feine Speisen mit damals noch exotischen Zutaten wie Ingwer oder Ananas. Auch Menü-Empfehlungen für „Gabelfrühstücks“ und andere Speiseanlässe, die für das aufstrebende Bürgertum in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zur gesellschaftlichen Repräsentationspflicht gehörten, hat sie in ihr Kocbbuch mit Ratgeber-Charakter aufgenommen. Während die Biedermeier-Zeit wenig offen für Neuerungen war, schaffte es Henriette Davidis jedoch in Form von neuartigen Kreationen die Heimat-Küche ein Stück weit zu revolutionieren und neuartige Speisen oder Zubereitungsarten dem Bürgertum nahezubringen sowie Rezepte und deren Mengenangaben zu vereinheitlichen. Während sich die Landbevölkerung als Selbstversorger oft mit einfachen Zutaten aus dem Hausgarten und vom eigenen Hof begnügen musste, hatte das Bürgertum bereits die Möglichkeit, in den Städten in sogenannten Kolonialwarenläden einzukaufen.

Blick über den Tellerrand

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts nahmen mit der Fotografie und besseren Druckmöglichkeiten auch die sogenannten illustrierten Zeitschriften an Fahrt auf und bescherten Einblicke über den Tellerrand in andere Kulturen. Henriette Davidis übertrug die neuen Impulse, die von überall herkamen – seien es technische Erfindungen oder fremde Zutaten – auf den Küchenalltag. Insgesamt stieg die Technisierung in den Haushalten im 19. Jahrhundert stetig an, sodass auch fachkundige, aber populäre Texte zu den Neuerungen sehr gefragt waren. Was früher als „Hausväterliteratur“ galt, von männlichen Autoren, vor allem von Pfarrern verfasst wurde, und sich an den Hausherren mit Ratschlägen zu Landwirtschaft, Familie und Kindererziehung richtete, wird nun von der Ratgeberliteratur abgelöst. In diesem Genre sind erstmalig auch gebildete Frauen als Autorinnen tätig. Gerade sie verstehen es, die Bürgerinnen in ihrer nach außen neuen Rolle als Hausfrau im Sinne der „leitenden Haushaltsführenden“ anzusprechen.

Wie man sieht, ist das Werk in Fraktur-Schrift gedruckt.

Die Davidis – führende Fachfrau in Fragen der Haushaltsführung

Die damals schon bekannte „Fachfrau in Fragen der Haushaltsführung“, auch hochachtungsvoll „die Davidis“ genannt, zettelte zwar keine „Revolution der Frauen“ an (wie etwa die ab Mitte des 19. Jahrhunderts aufkeimende Frauenbewegung) – trotzdem waren die Empfehlungen und das Wissen der Autorin –  ihren Kennern zufolge – für Generationen von Frauen prägend und richtungsweisend. Obwohl ihr Kochbuch, explizit an „Anfängerinnen und angehende Hausfrauen“ adressiert, und auch ihr Ratgeber „Die Hausfrau“ (1861), das gesellschaftliche Frauenbild der Biedermeier-Zeit kritiklos aufrecht erhält, offenbart Davidis‘ Erziehungsschrift „Die Jungfrau“ von 1857 (später „Der Beruf der Jungfrau“) auch sozial-fortschrittliche Gedanken an die berufliche Bildung und Selbständigkeit der Frau.

Berufsausbildung als der Schlüssel zu gesellschaftlicher Anerkennung

Berufsausbildung, so das Credo der Davidis, sichere der Frau Unabhängigkeit vom Manne und eröffne ihr gesellschaftlich anerkannte Lebensmöglichkeiten außerhalb von Ehe und Familie. Dem neuen Berufsstand der Hausfrau verschaffte sie mit ihrer Literatur jedenfalls deutschlandweit allgemeine Wertschätzung und Beachtung. Und: Dank ihrer Wissensvermittlung konnten sich Frauen durch Selbstlektüre „fit machen“ in Haushaltsfragen und Wirtschaftlichkeit – ein weiteres großes Thema im Biedermeier. Denn nur wer die vorhandenen Mittel sinnvoll und sparsam einsetzte, konnte es zu etwas bringen. Kurzum: Die Frau hielt zu Hause das zusammen, was der Mann draußen erwirtschaftete.

Die Autorin als Vorbild für eine neue Generation von Frau

Sie selbst war wohl das beste Beispiel für eine „unabhängige Frau“ in der damaligen Zeit. Das Schicksal wollte es, dass sie unverheiratet blieb und so bestritt sie – gut ausgebildet und räumlich ungebunden – als Erzieherin, Hauswirtschaftslehrerin und Autorin zahlreicher Ratgeber ihren Lebensunterhalt. Schon zu Lebzeiten erfuhren ihre Werke Anerkennung und man bescheinigte ihr eine begnadete Köchin und Pädagogin zu sein, jedoch wohlhabend im Sinne von reich wurde sie damit nicht.

Auszug aus dem Praktischen Kochbuch mit Rezeptseite „123. Elberfelder Krengel“
(12. Auflage 1867, zitierfähige Auflage, da identisch mit Erstauflage)

Kann man die Rezepte heute noch zubereiten?

Viele Rezepte, die in der Erstausgabe erschienen sind, sind heute nicht mehr 1:1 nachkochbar. Bei Rezepten für Eingemachtes gibt es beispielsweise hohe Zuckerzugaben, die die Haltbarkeit (das Weck-Glas war noch nicht erfunden) garantieren sollten. Auch sind Früchte wie Äpfel damals viel saurer gewesen, was auch wiederum einen höheren Zuckeranteil forderte und die Speisen für uns mit heutigen Zutaten gekocht viel zu süß erscheinen lässt. Das ein oder andere Rezept aus der Erstausgabe findet sich jedoch, welches auch heute noch gut gelingt und schmeckt. Weiter unten findet sich ein Rezept für ein süßes Kranzbrot und ein Rezept für eine luftige Mandeltorte, die jeweils für eine große Familie gedacht waren und heute als „halbes Rezept“ durchaus zu empfehlen sind.

Bearbeitung des Werks

Bereits zu Lebzeiten hat Henriette Davidis ihr Werk, das bis zu ihrem Tod in über 20 Auflagen im Verlag Velhagen und Klasing erschienen war, stetig angepasst und auf den neuesten Stand gebracht. Nach ihrem Tod am 03. April 1876 in Dortmund nahmen sich Luise Rosendorf (25.-31. Auflage) und Luise Holler (ab der 32. Auflage) dem Klassiker an und bearbeiten das Werk stetig und zuletzt auch umfassend. So wurden beispielsweise nicht nur weitere technische Neuerungen, sondern zuletzt auch Ergänzungen zu den Themen „Krankennahrung“, „Resteverwertung“ und „Gerichte der feinen Küche“ vorgenommen. Jeder kennt den ersten Satz vieler Rezepte, der da lautet: „Man nehme …“ Auch er wird im Übrigen Henriette Davidis zugeordnet.

Bis in die 1990er Jahre erschien der Ratgeber in über 60 Auflagen und Nachbearbeitungen. Das Henriette-Davidis-Museum in Wetter-Wengern, wo auch das Geburtshaus der Kochbuchautorin steht, gibt im Übrigen Einblicke in ihr Leben und Wirken. Auch das Kochbuchmuseum im Dortmunder Westfalenpark widmet der Kochbuchautorin einen großen Teil seiner Ausstellung.

Happy Birthday, Henriette!  

Hier ist ein Backrezept für Elberfelder Kringel, das im Original sowie modern interpretiert, funktioniert. Henriette Davidis urteilt in ihrem Werk „sehr zu empfehlen“. Für den Band Bergische Küchenklassiker – Das Backbuch (Wartberg Verlag) habe ich das alte Rezept „übersetzt“ und auch eine moderne Variante für „bergische Bagels“ vorgeschlagen.

Elberfelder Kringel (Bergisches Kranzbrot nach einem Rezept von Henriette Davidis)

Zutaten für 1 großes Kranzbrot oder 15 bergische Bagels

1 kg Weizenmehl

1 Würfel frische Hefe

350 g Butter

250 g Zucker

5 Eier

125 ml Milch

350 g Korinthen oder 2 Tassen Gelee

1 TL Zimt

Mehl für die Arbeitsfläche

Backpapier für das Blech

Zubereitung

Die Hälfte des Mehls mit der warmen Milch, den Eiern und der aufgelösten Hefe zu einem Vorteig anrühren. Sobald dieser aufgegangen ist, gibt man die Hälfte des Zuckers und das restliche Mehl dazu.

Die Butter arbeitet man nach und nach unter. Dann wird der Teig nicht zu dünn ausgerollt. Der übrige Zucker, Zimt und Korinthen streut man darüber oder bestreicht den Teig mit Gelee.

Das Brot wird nun vorsichtig gerollt und zu einem offenen Kranz geformt. Diesen legt man auf ein gefettetes Blech gelegt. Nachdem er gut aufgegangen ist, bestreicht man ihn mit Butter und bäckt ihn bei 200 Grad Celsius Ober-Unterhitze etwa 30-40 Minuten.

Gut zu wissen

Wenn der Kringel mit Gelee gefüllt wird, entfällt das Aufstreuen des Zuckers. Nicht nur zur Kaffeetafel, sondern auch zu Neujahr, zu Ostern oder zu Erntedank waren Kranzbrote wie diese in früheren Zeiten beliebt.

Tipp

Für heutige Haushalte ist ein Brot in dieser Dimension „etwas groß“. Bereiten Sie einfach mit der Hälfte der Zutaten einen kleineren Kranz. Auch sehr reizvoll: Backen Sie den Teig in einer Bagel- oder Donut-Backform und geben Sie das Gelee mit einer Spritztülle nachträglich in die kleinen Kringel. Achtung: Beim Kleingebäck verringert sich die Backzeit!

Henriettes Mandeltorte (Mandeltorte mit Weißbrod, zitiert nach Erstauflage)

31. Mandeltorte mit Weißbrod. Nr. 2. 20 Loth durchgesiebter Zucker, 18 Loth (…) frische Nüße und 2 Loth (…) bittere Mandeln geriebene, 12–14 Eier, 14 Loth (…) nicht frisches, fein geriebenes, durchgesiebtes Weißbrod, 1 Zitrone.

Man rührt den Zucker, auf welchem die Zitrone abgerieben ist, nebst dem Saft derselben und den Eidottern 1/4 Stunde nach Nr. 1 (Anm. der Köche: Hier meint Davidis ihre allgemeinen Backregeln, z.B. sollten alle Zutaten außer den Eiern Zimmertemperatur haben) fügt die Mandeln hinzu und rührt wieder 1/4 Stunde. Wenn dies geschehen, mischt man das Weißbrod schnell durch die Masse und dann das von 10 Eiern zu steifem Schaum geschlagene Weiße. Die Torte wird nach vorhergehender Angabe gebacken und verziert.

Zutaten (aus dem Original umgerechnet)

½ Rezept ist allerdings für eine übliche Kasten-/Rodonform ausreichend.

300 g feiner Zucker oder Puderzucker

270 g geriebene süße Mandeln

30 g geriebene bittere Mandeln

(oder heute: 30 g geriebene süße Mandeln zusätzlich und 6 Tropfen Bittermandelöl)

210 g geriebenes Weißbrot (Paniermehl)

12-14 Eier (12 Größe L, 14 Größe M)

1 Bio-Zitrone (Abrieb und Saft)

Paniermehl zum Ausstreuen der Backform

Zubereitung

Die Eier trennen und das Eiweiß schaumig aufschlagen, bis ein steifer Eischnee entstanden ist. Beiseite stellen.

Die Eidotter mit dem Zucker und dem Zitronenabrieb schaumig aufschlagen. Zunächst die Mandeln, nach weiterem Rühren das Paniermehl sowie den Eischnee schnell unterheben.

Den Teig in eine gefettete und mit Paniermehl ausgestreute Kuchenform füllen und 40-50 Minuten bei 180 Grad Celsius Umluft im vorgeheizten Ofen goldgelb garen.

Nach der Stäbchenprobe den Kuchen abkühlen lassen und später auf ein Tablett stürzen und mit Puderzucker bestreuen.

Gut zu wissen

Zu Henriette Davidis Zeiten kannte man noch kein Backpulver. Der Teig für Rodonkuchen wurde entweder mit Hefe oder mit Eischnee locker gemacht und zum Aufgehen gebracht.

Suppenklassiker

Leckere Mahlzeiten für jeden Tag

„Nein, meine Suppe ess ich nicht“ – sagte einst der Suppenkaspar. Da wird die „Frau Mama“ in Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“ wohl nicht den rechten Pepp an ihrer Suppe gehabt haben. Denn eigentlich schmecken die Klassiker auch heute noch und das auch ohne Liebstöckel-Würze aus der Flasche. Hier drei Rezepte, die zum Reinknien sind. Mit Würztipps!

Rheinische Buttermilch-Bohnensuppe

Zutaten für 6 Personen

1000 g halbfest bis mehlig kochende Kartoffeln

1 l Buttermilch

250 ml warme Milch

250 ml Sahne oder Sauerrahm

30 g Butter

600 g grüne gedünstete Brechbohnen

Salz, weißer Pfeffer, nach Geschmack 1 Zweig frisches Bohnenkraut

Zubereitung

Kartoffeln schälen, abbrausen und auf grobe Stücke schneiden.

Mit Salzwasser aufsetzen und garen, bis sie zerfallen.

Kartoffeln abgießen und mit dem Stampfer ein Stück Butter und warme Milch unterarbeiten, bis ein Kartoffelbrei entsteht. Dann Buttermilch und Sahne nachgießen und mit Salz, Pfeffer und etwas Bohnenkraut (Zweig kurz mitziehen lassen) abschmecken.

Wer’s sämig mag, kann mit dem Pürierstab die Suppe noch verfeinern.

Zum Schluss die gedünsteten Bohnen in die Suppe geben und darin etwas warmziehen lassen. Die Suppe nicht mehr kochen, denn die Buttermilch flockt sonst aus.

Varianten

Wer gerne die Säure der Buttermilch mag, kann auf Sahne verzichten und mehr Buttermilch in die Suppe geben.

Tipp

Man kann die „Bottermilch-Bunnezupp“ auch mit etwas Essig und ausgelassenen Zwiebeln und Speckstückchen würzen.

Kartoffel-Steckrüben-Suppe mit Mettwurst

Zutaten für 4 Personen

1 kg Steckrüben

750 g Kartoffeln

200 g Möhren

1/4 Sellerieknolle oder eine Lauchstange

1 Zwiebel

nach Belieben Speckstückchen

2 EL Schmalz

1 Lorbeerblatt

Pfeffer, Salz

4 Mettwürstchen

Zubereitung

Das Gemüse putzen, schälen und würfeln. Die Zwiebel in Schmalz anschwitzen und nach und nach Speckstückchen, Sellerie, Möhren, Kartoffeln und Steckrüben zugeben und mit ausreichend Wasser auffüllen. Das Lorbeerblatt ebenfalls in den Topf geben. Salzen und pfeffern. Alles eine gute Stunde köcheln lassen, bis das Gemüse zerfällt. Nach Geschmack kann die Suppe auch gestampft werden. Kurz vor Ende der Kochzeit die Mettwürstchen zugeben und alles gut durchziehen lassen. 

Hühnersuppe mit Buchstabennudeln

Zutaten für 6 Personen

1 Suppenhuhn

2,5 l Wasser

oder

2 Hähnchenkeulen

1,5 l Wasser

1 Porreestange, etwas Sellerie-Knolle

2 Zwiebeln, 2 Möhren

ein Gewürzssäckchen bestehend aus 3 Lorbeerblättern, 3 Nelken, 3 Pimentkörnern, nach Geschmack auch ein Stückchen frische Ingwerknolle

Für die Suppeneinlage (nach Belieben)

125 g Buchstabennudeln für 2,5 l Brühe

2 Möhren

1 Lauchstange

Zubereitung

Eine Zwiebel zunächst halbieren und in etwas Fett anrösten, bis ihre Schnittflächen braun sind. Das sorgt später für eine schöne goldgelbe Suppenfarbe.

Das Suppenhuhn mit dem Wasser, den kleingeschnittenen Gemüsen, der angerösteten Zwiebel und den Gewürzen aufsetzen. Den Ansatz 2-3 Stunden köcheln lassen und abseihen.

Das Huhn tranchieren, enthäuten und das weiße Fleisch in kleine Stücke schneiden.

Die abgekühlte Brühe entfetten und mit kleingeschnittenen Möhren- und Porreestangen-Stücken erneut köcheln lassen. Die Nudeln zugeben und bissfest garen. Das Fleisch kurz vor Ende der Garzeit zugeben. 

Tipp

In den Sommermonaten kann man die schöne Farbe der Brühe auch durch die Zugabe von 2-3 Tomaten erzielen statt mit der angerösteten Zwiebel.

Weitere Suppenklassiker finden sich in den Bänden meiner Reihe Küchenklassiker, erschienen im Wartberg Verlag.