Die 1970er: Nostalgie am Herd

Fruchtiger Retro-Genuss zum Leben erweckt

Kennt Ihr die noch? Bunte fruchtige Kuchenschnitten mit fluffigem Biskuit und Vanillepudding. Dosenobst war in den 1970ern der Renner. Besonders Ananas hatte es vielen Hobbyköchen angetan, denn die Südfrucht verlieh auch der heimischen Küche ein exotisches Flair ferner Länder. Für herzhafte Gaumen durfte es Toast Hawaii sein. Ein mit gekochtem Schinken und Ananasring belegtem Toastbrot, das mit einer Scheibe Käse überbacken und mit Cocktailkirsche serviert wird.

Die 1970er in der Rückschau genießen

Psychedelische Muster und bunte Farbkombinationen zeichnen die Mode der 1970er Jahre aus. Tapeten, Liegestühle oder Vorhänge aus der Zeit zaubern uns heute ein ungläubiges Lächeln ins Gesicht. Fans der Zeit sind jedoch noch heute verrückt nach Alltags-Kultobjekten wie dem Wählscheibentelefon in Grün oder Orange, den kleinen Affenpuppen namens Moncchichi oder auch dem VW Käfer 1300.

Vielleicht gibt es ja noch das ein oder andere Lieblingsstück, das von der Mülltonne verschont wurde und einen Platz in einer Kiste auf dem Dachboden ergattert hat?

Toast Hawaii – vom Fernseh- zum Party-Hit

Das exotisch anmutende Toast-Gericht wird dem Fernsehkoch Clemens Wilmenrod zugeschrieben und es stellt vermutlich eine Abwandlung des amerikanischen Grilled Spamwich oder des französischen Croque Monsieur dar.

In vielen Familien war der überbackene Toast, der auch unter dem Namen Hawaii-Schnittchen bekannt ist, bis in die 1980er Jahre auch auf Partys ein Dauerbrenner. Der warme Snack war schnell zubereitet und erinnerte – mit etwas Ketchup serviert –  ein wenig an die ebenfalls beliebte Hawaii-Pizza, die es einheimischen Pizzabäckern zufolge in Italien nie gegeben hat. Nicht nur am eigenen Herd, sondern auch in der Gastronomie machte die Kombination „gekochter Schinken mit Ananas und Käse“ als Toast, Pizza oder Putenschnitzel „Hawaii“ die Runde.

Die Sommerzeit lädt jedenfalls dazu ein, die fruchtigen Retro-Klassiker nochmals zum Leben zu erwecken. Hier sind die Rezepte …

Tutti frutti-Schnitten

Zutaten für 16 Stücke

1 Blech mit hohem Rand (30 x 40 cm)

Für den Teig

4 Eier

100 g Zucker

1 Päckchen Vanillezucker

100 g weiche Butter

150 g Weizenmehl, 2 TL Backpulver

Für den Pudding

2 Päckchen Vanillepudding zum Kochen

800 ml Milch

6-8 EL Zucker

Für die Auflage

500 g Erdbeeren (möglichst kleine Früchte)

1 große Dose gemischte Obstsalat-Früchte

1 kleine Dose Mandarinen

2 Päckchen hellen Tortenguss

Fett und Grieß zum Ausstreuen des Blechs

Zubereitung

Zunächst die Dosenfrüchte auf einem Sieb abtropfen lassen. Den Backofen auf 175 Grad Ober-Unterhitze vorheizen und aus den angegebenen Zutaten einen Biskuitteig bereiten. Das heißt: zunächst die Eier und den Zucker dickschaumig aufschlagen. Die weiche Butter zugeben und zuletzt das Mehl mit dem Backpulver darübersieben und unterheben.

Den Teig auf ein gefettetes und ausgestreutes Backblech geben und mit einem Teigschaber gleichmäßig verteilen. Den Biskuit bei 175 Grad Ober-Unterhitze für 20 Minuten backen, bis er goldgelb ist.

In der Zwischenzeit den Vanillepudding nach Packungsbeilage bereiten und warm auf den noch warmen Biskuit geben.

Den Kuchen auskühlen lassen und in der Zwischenzeit die Erdbeeren waschen, trockentupfen und verlesen. Die kleinen Früchte im Ganzen belassen, große Früchte entsprechend halbieren oder vierteln.

Den abgetropften Obstsalat auf dem Vanillepudding verteilen und die Lücken mit Erdbeeren auffüllen. Diese so legen, dass es ein ansprechendes Muster ergibt.

Nun den Tortenguss nach Packungsanleitung mit dem aufgefangenen Sirup der Obstsalatfrüchte bereiten.

Den Tortenguss etwas abkühlen lassen und gleichmäßig auf dem Obst verteilen. Den Kuchen für 3-4 Stunden kaltstellen. 

Toast Hawaii

Zutaten für 4 Personen

8 Scheiben Toast

8 Scheiben gekochter Schinken

8 Scheiben Dosen-Ananas (gut abgetropft)

8 Scheiben mittelalter Gouda

8 Cocktail-Kirschen- oder Tomaten

Butter (optional)

Petersilie für die Dekoration

Zubereitung

Die Toastscheiben nach Geschmack buttern, den gekochten Schinken auflegen. Die Ananasscheibe jeweils darauf platzieren und mit der Käsescheibe abschließen.

Im vorgeheizten Backofen bei 160-180 Grad etwa 10-15 Minuten überbacken. Sobald der Käse geschmolzen und leicht angebräunt ist, ist der Toast fertig.

Die Hawaii-Schnittchen mit Cocktailkirschen oder -tomaten und etwas Peterslilie garnieren und servieren.

Küchenklassiker-Reihe bleibt Klassiker im Buchregal

Wartberg Verlag geht mit Küchenklassiker OWL in die 2. Auflage

Vor über 10 Jahren habe ich das Konzept für eine Kochbuch-Reihe im Wartberg Verlag entworfen, die typische Speisen mit ihren regionalen Bezeichnungen und Eigenheiten aus verschiedenen deutschen Regionen vorstellt. Teilweise sehr alte, fast in Vergessenheit geratene Gerichte, aber auch über Jahrzehnte konstant gebliebene Lieblingsspeisen und Brauchtumsgebäck, haben Eingang in bislang 11 Bände gefunden. Neben dem Bergischen Land, der Eifel, dem Sauerland, dem Niederrhein, dem Münsterland, Nordhessen, dem Rheingau und dem Saarland ist Ostwestfalen-Lippe mit seiner regionalen Küche vertreten.

Ostwestfalen-Lippe hat sich vor allem als Pickertland einen Namen in der deutschen Küche gemacht und darf sich ab April 2025 über eine zweite Auflage des Küchenklassikers mit dem Untertitel „Pickert, Pudding Pumpernickel“ freuen.

Verschiedene Regionen im Fokus der Rezept-Sammlungen

Die über 60 Rezepte, die jeder Küchenklassiker-Band beinhaltet, habe ich mithilfe von Kochbüchern, Speisekarten und Interviewpartnern in den verschiedenen Regionen recherchiert, mit parallel existierenden Rezepturen abgeglichen, für heutige Haushalte auf vier Personen umgerechnet und selbst ausprobiert.

Diese ‚Basic-Rezepte‘ sind für jedermann einfach nachzukochen, regional authentisch und sie werden auch mit Foto abgebildet. Denn das fehlte bei Küchenklassikern, die seltener oder nur im Privaten gekocht werden.

Hier gibt es mehr Infos zu den Bänden.

Und hier findet Ihr einen kulinarischen Ausflug ins Pickertland OWL.

Zu Besuch im Pickertland

In Ostwestfalen-Lippe prägten in früheren Zeiten Eier und Kartoffeln den Speisezettel der Landbevölkerung und haben bis heute ihre Spuren hinterlassen. Und so kam das heimische Ei kam fast täglich als Pickert auf den Teller. Seit dem 18. Jahrhundert ist der Pickert, ein Pfannkuchen, das Nationalgericht des Lipper, des Paderborner und des Ravensberger Lands. Es gibt ihn in so mannigfachen Varianten, dass man die Region auch gerne noch heute scherzhaft als „Pickertland“ bezeichnet.

Das heimische Ei: Täglich als Pickert auf den Teller

Aus dem Ravensberger Land stammt zum Beispiel der Lappenpickert, welcher sehr flach ist und ohne Hefe bereitet wird. In einer gusseisernen Pickertpfanne, auch „Plate“ genannt mit flachem Rand und zwei Henkeln bäckt man traditionell drei flache Küchlein aus, die dann aufeinander gelegt werden. Häufig legte man zum Schlachtfest fettes Schweinefleisch („Schmull“) zwischen die Lagen und nannte die Kreation dann Schmullpickert. Ein wenig an ein Rosinen-Weißbrot erinnert der Kastenpickert, der rund um Bielefeld und in Lippe-Schaumburg zu Hause ist. Die Pickertmasse wird in einer Kastenform im Ofen gebacken. Der Kastenpickert muss ausreichend ruhen, bevor er fest genug zum Anschneiden ist. Scheibenweise brät man ihn dann in der Pfanne aus.

Knusprige Eier- und Kartoffelkuchen mit Geschichte

Mit Aufkommen der ersten Kanonenöfen fanden die kleinen runden, leicht salzigen Mehlpfannkuchen mit geriebenen rohen Kartoffeln Einzug in die Alltagsküche. Als Hauptgericht, als Beilage zu Suppen oder auch als Zwischenmahlzeit zu einer Tasse Kaffee reicht man sie bis heute mit Butter, geräucherter Leberwurst, Rübenkraut oder Pflaumenmus. Wer es sich früher leisten konnte, der gab noch Rosinen, Zucker und mehr Eier in den Teig. Dieser wird – je nach Rezept – auch gerne mit Hefe angesetzt. Ursprünglich bereitete man den Pickert auf der gusseisernen, mit einer Speckschwarte abgeriebenen Platte des Küchenherdes. Das Wenden der Kartoffelpuffer kommt Zeitzeugen zufolge einem Kunststück gleich, denn häufig bleiben die Küchlein auf dem Herd oder in der Pfanne „pecken“ (kleben). Als Hilfsmittel zum Wenden benutzte man daher dünne Milchbretter, die man langsam unter das Gebäck schob und es dann rasch wendete.

Der Pickert als Brotersatz

In der Senne am Westhang des Teutoburger Walds, wo sandige Böden vorherrschen, bereitete man den Lappenpickert vorzugsweise mit heimischem Buchweizenmehl, zuweilen auch -schrot, und ohne Hefe. Die flachen, etwas zähen Küchlein dienten in Notzeiten als Brotersatz und schmecken auch so ähnlich wie eine Scheibe Vollkornbrot. Noch einmal aufgebacken sind sie auch am nächsten Tag mit Butter und Rübenkraut bestrichen noch köstlich!

Mannigfache Varianten laden bis heute zum Pickertessen ein

Der Pickert, früher ein Arme-Leute-Gericht, erfreut sich heute als regionale Spezialität in der Gastronomie und auch in Bäckereien großer Beliebtheit. Besonders den der damals reicheren Bevölkerung vorbehaltene Kastenpickert gibt es nach alten Familienrezepten auch auf Wochenmärkten frisch aus der Pfanne zu kaufen.

Beliebt sind ebenso die gemütlichen, über Stunden währende „Pickertessen“ als Gruppenmahlzeit im Restaurant.

Rezepte

Lappenpickert

(Foto 1 oben)

Zutaten für 4 Personen

1 kg geschälte und geriebene Kartoffeln

3 Eier

2-3 EL Buchweizenmehl oder -grütze

3-4 EL saure Sahne

Salz

Schmalz zum Ausbacken

Zubereitung

Aus Eiern, Mehl, saurer Sahne und Salz einen Teig bereiten. Die Kartoffelspäne ausdrücken, damit sie nicht zu feucht sind und darunter ziehen. Den Teig portionsweise als kleine oder jeweils einen großen Kuchen in der Pfanne ausbacken. Dazu passen Hering oder Räucherfisch oder Rübenkraut und Marmelade.

Gut zu wissen

Eine Variante des Pfannenpickert ist auch der „Ravensberger Lappenpickert“. Er wird ähnlich bereitet. Man nimmt für den Teig ein Drittel Mehl, ein Drittel Milch, ein Drittel geriebene rohe Kartoffeln und mehrere Eier. Er wird gerne aufgewärmt mit Butter oder Marmelade gereicht.

Gemüse-Pickert

(Foto 2 oben)

Zutaten für 8 Stück

¼ Stück von einer Steckrübe oder einem Kürbis

1 dicke Möhre

1 Schalotte

2-3 Eier

1 EL Schmand

Pfeffer, Salz

Rapsöl

Zubereitung

Steckrübe oder Kürbis und Möhre schälen und auf Stifte hobeln. Die Schalotte häuten und klein hacken. Die Eier mit dem Schmand und den Gewürzen vermischen und die Gemüse-Stifte unterheben. Den Teig portionsweise in der Pfanne in ausreichend Öl von beiden Seiten goldbraun backen. Dazu passt ein Salat und etwas körniger Frischkäse mit Frühlingslauch.

Tipp

Von dem Rest der Knolle lässt sich ein leckerer Eintopf bereiten. Das Rezept für Steckrübernragout findet sich unter dem Titel „Lippische Ananas“ ebenfalls im Küchenklassiker.

Buchtipp

Ab April 2025 in 2. Auflage erschienen:

Ira Schneider: Ostwestfalen-Lippe Küchenklassiker – Pickert, Pudding, Pumpernickel, Wartberg Verlag

Zu den Küchenklassikern geht es hier.

Und hier findet Ihr mehr Infos zur 2. Auflage.