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Marmeladen-Liebe

Schon im Einmach-Fieber?

Seit ich denken kann, kocht meine Mutter im Juni/Juli die erste Marmelade. Beerenfrüchte wie Erdbeeren, Johannisbeeren, Himbeeren oder auch rote Stachelbeeren haben jetzt Saison und schmecken als „Solo“ oder in fruchtigen Kombinationen miteinander. Auch mich hat das Einkoch-Fieber irgendwann gepackt und erreichte seinen Höhepunkt in den Jahren 2011 und 2012.

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Impressionen von der Johannisbeer-Ernte 2017 in Mutters Garten

Meine Konfitüren-Sommer

Ich erinnere mich gerne an „meine Konfitüren-Sommer“. Ich probierte weit über 50 Sorten Konfitüren, Gelees und Chutneys, darüber hinaus diverse Likör-Ansätze. Ich zerbrach mir den Kopf darüber, wie man aus Wassermelonen oder auch frischem Brombeerblättertee vielleicht ein Gelee kochen könnte. Ich beschäftigte mich mich Gelierzucker-Sorten und diversen Alternativen. Ich ging Brombeeren sammeln oder fuhr zur Weinbergspfirsichernte an die Mosel – um reichlich von dem besonderen Obst zu ergattern. Dann legte ich los.

Stoff, aus dem die Marmeladen sind

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Die Sträucher trugen gut in diesem Jahr – weder Düngen noch Spritzen war nötig.

Irgendwann einmal wird es wohl ein Marmeladen-Buch geben mit vielen Erfahrungen und Geschichten. Anekdoten gibt es genug zu erzählen … zum Beispiel die von diesem extrem gefräßigen Mann, der im entscheidenden Moment schneller war als ich und im Handumdrehen die ganze Brombeerhecke vor meinen Augen leergemampft hatte. Ich hatte die Früchte tagelang bis zum optimalen Reifezeitpunkt beobachtet und mich nur zu einer kleinen Radtour am Nachmittag hinreißen lassen, was sich auf dem Rückweg als fataler Fehler herausstellte. Auf der Rücktour wollte ich die Früchte ernten, aber: Weg waren sie, meine Brombeeren! Einfach so in einer Autopause am Straßenrand von diesem Dickwanst gierig vertilgt.

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Die Sonne der letzten Wochen velieh den Beeren außerdem bestes Aroma. Sie schmecken fast wie milde Preiselbeeren.

Nun musste ich eine andere Strategie fahren. Ich sammelte fortan jeden Tag einige wenige Beeren auf meinen Abendspaziergängen. Ich wog sie, fror sie ein und notierte mir das Gewicht. Als ich nach Wochen vier Kilogramm zusammen hatte, legte ich los …

Do-it-yourself-Fieber

Es gibt viele gute Gründe, warum es sich trotz voller Supermarktregale und niedrigen Preisen fürs Durchschnittsglas lohnt, selbst Marmeladen zu kochen. Der wohl treffendste Grund ist: weil es einfach anders schmeckt und kreativ ist! Für all diejenigen, die das Fieber noch nicht gepackt hat, habe ich einige Basics aufgeschrieben. Diese Konfitüre gelingt garantiert und – Vorsicht – sie löst Einkoch-Fieber aus 😉

Erdbeeren für Anfänger

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Das war im Erdbeer-Sommer 2013 … dieses Motiv schaffte es sogar zwei Jahre später als Cover aufs Magazin „Bergisch genießen!“ .

Zutaten für circa 6 Gläser

1 kg Erdbeeren

(4 handelsübliche Körbchen)

500 g Gelierzucker 2:1

Saft von 1 Zitrone

Zubereitung

Die Früchte vorsichtig waschen und entstielen. Große Früchte halbieren oder vierteln. Mit dem Gelierzucker und dem Zitronensaft in einen großen Kochtopf geben und etwas Saft ziehen lassen.

Die Masse zum Kochen bringen und sprudelnd kochen lassen, bis sie anzieht. Durch eine Gelierprobe (einen Teelöffel Masse auf einen kalten Unterteller geben) überprüfen, ob die Konfitüre schon steif wird. In vorbereitete sterile Schraubgläser füllen und fest zudrehen. Beim Abfüllen der Marmelade ist ein Trichter hilfreich, auch Handschuhe oder feuchte Handtücher sind zu empfehlen, denn die Gläser werden beim Einfüllen extrem heiß.

4 8B7A9535 2Tipp für sterile Gläser

Am besten spült man die Gläser kurz vor dem Einkochen heiß in der Spülmaschine. Bereits saubere Gläser kann man alternativ mit heißem abgekochtem Wasser aus dem Wasserkocher noch einmal ausspülen. Auch die Deckel und der Abfülltrichter sollten heiß gespült sein.

Tipp für Stückchenhasser

Wer keine Stückchen in der Marmelade mag, kann die Masse vor dem Kochen pürieren oder während des Kochens mit einem Kartoffelstampfer bearbeiten.

Variationen

Erdbeeren schmecken sehr gut mit Vanille, einem Schuss Orangensaft oder Orangenlikör oder in Kombination mit Himbeeren und/oder Johannisbeeren, Stachelbeeren und/oder Rhabarber. Auch mit Zitronenmelisse- oder Minzblättchen, die fein geschnitten zum Schluss mit in den Kochtopf kommen – lassen sich aparte Aromen zaubern.

4 _12 8B7A6603 1 sauerlanedische erdbeeren

Beachten – Variieren von Zutaten oder Gelierzuckersorten

Beim Variieren von Zutaten ist es immer wichtig, auf die Gesamtmasse im Verhältnis zum Gelierzucker zu achten. Die vorbereiteten Früchte sollte man daher vor dem Kochen abwiegen. Geschmacklich klasse sind 50:50-Kombinationen. 7 8B7A0004 1Auf 500 g Erdbeeren und 500 g Himbeeren, also 1 Kilo Frucht, kommt 1 Päckchen (500 g) Gelierzucker 2:1 oder für diejenigen, die es weniger süß mögen – auf 750 g Erdbeeren und 750 g Himbeeren, also 1,5 Kilo Frucht, gibt man 1 Päckchen (500 g) Gelierzucker 3:1. Bei sehr sauren Früchten kann man auch mit dem Gelierzucker 1:1 arbeiten. Hier kommt genau 1 kg Früchte auf ein Kilo-Päckchen (1000 g) Gelierzucker.

Alkohol gibt man – ebenso wie zarte Kräuter – immer zum guten Schluss zur Konfitüre. Er wird nicht mitgekocht und – da es sich ja nur um einen Schuss handelt – auch nicht extra auf die Masse angerechnet.

Impressionen von der Beeren-Ernte 2016 findet Ihr hier und weitere schöne Rezepte hier. Ein Rezept für Johannisbeer-Gelee und Stachelbeer-Marmelade gibt’s hier.

 

 

 

 

Veröffentlicht von

redis

Ich schreibe und fotografiere zu genussvollen Themen. Von der Foto-Reportage über Rezept-Strecken bis hin zum Kochbuch. Als Food-Journalistin setze ich Kulinarisches in Szene - in Wort und Bild.