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Lichtbräuche

Mit der Zeitumstellung Ende Oktober beginnt die „dunkle Jahreszeit“. Kerzenlicht und Gemütlichkeit trotzen der Dunkelheit. Seit Jahrhunderten gibt es daher die sogenannten „Lichtbräuche“ mit stimmungsvollen Umzügen, die im November und Dezember stattfinden. Zwei davon stelle ich im Folgenden näher vor.

Sankt Martin – Gedenken an den Heiligen Martin von Tours

Zu Sankt Martin am 11. November werden viele Häuser mit Lichtern  geschmückt. Die Gemeinde zieht Martinslieder singend mit selbstgebastelten Laternen und Fackeln durch die Straßen zum Martinsfeuer. Der Umzug wird von einem Reiter, der als römischer Soldat mit roten Mantel verkleidet ist, angeführt. Im Anschluss an den Umzug verteilt die Gemeinde Martinswecken und schenkt mancherorts auch heiße Getränke aus. Die Kinder ziehen anschließend durch die Straßen und erheischen durch Klingeln und Singen von Martinsliedern an den Häusern Süßigkeiten. Der Martins-Brauch geht zurück auf den Heiligen Martin von Tours, welcher nach seinem Tod mit einer Lichterprozession nach Tours überführt wurde.

Die Legende vom bamherzigen Soldaten Martin

Als römischer Soldat soll Martin ab 334 n. Chr. im französischen Amiens stationiert gewesen sein. An einem Wintertag begnete ihm vor dem Stadttor ein frierender Bettler. Ohne zu zögern soll Martin seinen roten Mantel mit dem Schwert geteilt und dem Mann eine Hälfte geschenkt haben. In der Nacht erschien dem Bamherzigen im Traum Christus, der die Mantelhälfte trug. Martin verließ daraufhin die Armee und wurde Geistlicher. Eine weitere Legende über ihn wird aus dem Jahre 371 n. Chr. überliefert. Die Einwohner der Stadt Tours wollten Martin, dem viele Wunder nachgesagt wurden, zum Bischof ernennen. Aus Bescheidenheit soll sich Martin in einem Gänsestall versteckt haben, um dem Amt zu entgehen. Schnatternde Gänse sollen ihn verraten haben und so wurde er doch zum Bischof geweiht. Der traditionelle Gänsebraten zu Sankt Martin erinnert heute an diese Episode.

Martinswecken und Stutenkerle

Ferner begeht man den Martinstag mit verschiedenen Brauchtumsgebäcken. Im Rheinland kennt man den Martinswecken, der ein kleiner Brotlaib aus süßem Milchbrötchen-Teig ist. Ebenso sind Weckmänner oder Stutenkerle, süße Brötchen-Männlein mit Pfeiffe oder ohne, als typisches Gebäck bekannt. In anderen Regionen werden Martinikipferl, Martinshörnchen, Martinsbrezeln oder -küchlein gebacken. Als „Gans des kleinen Mannes“ servierte man früher häufig den „Döppekooche“ aus einem geriebenen Kartoffelteig mit Eiern, Speck oder Mettwurst, der auch als „Potthucke“ oder „Kesselskuchen“ bezeichnet wird.

Das bäuerliche Wirtschaftsjahr geht zuende

Der Martinstag ist nicht nur für die Kirche von Bedeutung, sondern auch für die Landwirte. Denn der 11. November stellt den Abschluss des bäuerlichen Wirtschaftsjahrs dar. Zu diesem Zeitpunkt war die Ernte eingebracht und die Knechte und Mägde bekamen ihren Lohn. Manche Bedienstete wechselten auch ihren Arbeitgeber. Es war an der Zeit, seine Pacht zu entrichten. Da oftmals auch in Naturalien gezahlt wurde, taucht ebenfalls hier der Begriff „Martinsgans“ auf.

Luciafest – zu Ehren einer Heiligen aus dem Norden

In Schweden, aber auch Norwegen, Dänemark und Finnland kennt man das Luciafest am 13. Dezember. Das Lichtfest zu Ehren der Heiligen Lucia steht einerseits in der Tradition der Sonnenwendfeierlichkeiten, andererseits in der Tradition der Heiligenfeste, obwohl es in Skandinavien wenig kirchlich geprägt ist. Die ältesten Töchter der Familien ziehen in weißen Gewändern mit einer Kerze in der Hand, Lucia-Lieder singend durch den Ort. Eines der Mädchen, die gewählte Lucia mit einem Lichterkranz auf dem Kopf, führt den Umzug an. Der Kranz mit Kerzen erinnert an die Heilige Lucia von Syrakus und die frühen Christen, welche sie heimlich, wenn es dunkel war, mit Lebensmitteln versorgte. Da ihre Hände zum Tragen frei bleiben mussten, trug sie einen Lichterkranz auf dem Kopf. Das rote Band von Lucias weißem Gewand, welches für Jungfräulichkeit steht, deutet auf ihre Zugehörigkeit zum Christentum und das spätere Märtyrium durch einen Dolchstoß in den Hals.

Lussekatter – Safrangebäck

Lussekatter sind das traditionelle Gebäck zum schwedischen Feiertag der Lucia. Als „Luciakatzen“ kennt man das gelbliche Hefegebäck inzwischen auch hierzulande. Das Hefegebäck wird in Teigstränge geteilt und meist als S ausgeformt, das an den Enden als Schnecke aufgerollt wird. In die Mitte der Schnecken wird jeweils eine Rosine gesetzt. Auch Doppel- und Kreuzformen sind geläufig, die man „julvagn“ (Weihnachtswagen) und „julkrs“ (Weihnachtskreuz) nennt. Als Getränk zum Gebäck wird „glögg“ (Glühwein) oder Kaffee serviert.

Der Basteltipp

Mit einfachen Mitteln lässt sich für die dunkle Jahreszeit ein stimmungsvolles Licht basteln. Das „leuchtende Kartoffelsäckchen“ macht sich draußen wie drinnen gut als Deko-Licht.

Leuchtendes Kartoffelsäckchen

Ihr braucht: 1 großes Eimach- oder Marmeladenglas, 1 Teelicht, 1 Säckchen Kartoffeln (2,5 kg), Band aus Bast oder Jute, Hagebutten oder andere schöne Zweige

So wird’s gemacht: Säckchen oben aufschneiden, Kartoffeln entnehmen und zu Potato Wedges, Potthucke oder Kartoffel-Kürbis-Suppe verarbeiten. Das Einmachglas in das leere Säckchen stellen und oben am Glasrahmen das Säckchen mit dem Band befestigen. Die Zweige am Bast-Rand feststecken. Das Teelicht anzünden und das leuchtende Kartoffelsäckchen zur Deko draußen oder drinnen platzieren.

Tipp: Elektrische Teelichter eignen sich auch hervorragend für das Bastelprojekt.

Veröffentlicht von

redis

Ich schreibe und fotografiere zu genussvollen Themen. Von der Foto-Reportage über Rezept-Strecken bis hin zum Kochbuch. Als Food-Journalistin setze ich Kulinarisches in Szene - in Wort und Bild.